Eine Gruppe von schlauen Köpfen aus dem Bereich der Telematikinfrastruktur hat die Alarmglocken geläutet. Nachdem die Spezifikationen für das eHealth-Cardlink-Verfahren verabschiedet wurden, haben diese Experten das Interop Council der Gematik kontaktiert. Warum? Weil sie Bedenken haben, dass die Spezifikationen einseitig sind und den Vor-Ort-Apotheken möglicherweise Nachteile bringen könnten.
Der Grund für die Aufregung liegt darin, dass die Vor-Ort-Apotheken möglicherweise nicht in der Lage sind, eigene Apps zu entwickeln oder entwickeln zu lassen. Wenn die Spezifikationen nicht eindeutig sind, könnten die Apps so gestaltet werden, dass die Auswahl einer Vor-Ort-Apotheke über den Apotheken-Verzeichnisdienst nicht mehr möglich ist. Das würde den diskriminierungsfreien Zugang zu Apotheker-Dienstleistungen beeinträchtigen – und das wollen wir ja nun wirklich nicht.
Jetzt kommt’s aber: Das Cardlink-Verfahren wurde vom Bundesgesundheitsministerium eingeführt, obwohl alle anderen Gesellschafter dagegen gestimmt haben. Das Ministerium hat nämlich eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent. Seit Kurzem sind die Spezifikationen für Cardlink erhältlich, die es ermöglichen, Apps zu entwickeln, mit denen man E-Rezepte einlösen kann, ohne die PIN der Gesundheitskarte eingeben zu müssen (im Gegensatz zur Rezept-App der Gematik, die das verlangt).
Die Experten haben ihre Bedenken nun also dem Interop Council der Gematik vorgelegt. Mal sehen, wie die Gematik darauf reagiert und ob möglicherweise noch Änderungen an den Spezifikationen vorgenommen werden.
Es ist natürlich wichtig, dass bei der Entwicklung von Telematikinfrastrukturen im Gesundheitswesen alle Beteiligten berücksichtigt werden und ein fairer Wettbewerb gewährleistet ist. Schließlich wollen wir ja alle einen diskriminierungsfreien Zugang zu den verschiedenen Apotheker-Dienstleistungen haben. Die Experten hoffen daher, dass ihre Bedenken ernst genommen werden und die Spezifikationen angepasst werden, um eine faire Behandlung aller Akteure sicherzustellen.
In einer idealen Welt würde es ja nicht zu einseitigen Spezifikationen kommen und alle Beteiligten könnten ihre Apps entwickeln, wie es ihnen beliebt. Aber wir wissen ja alle, dass das Leben nicht immer nach unseren Wünschen verläuft. Also Daumen drücken, dass die Experten Gehör finden und die Spezifikationen nochmal überdacht werden.
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