Der österreichische Wechselrichter-Hersteller Fronius hat wieder mit einer großen Herausforderung zu kämpfen. Nachdem im Juni bereits 350 Mitarbeiter entlassen wurden, sollen nun weitere 650 Stellen gestrichen werden. Davon entfallen 450 auf Standorte in Österreich, während die restlichen 200 in Deutschland und Tschechien betroffen sind. Gleichzeitig reduziert Fronius seine Kapitalinvestitionen und Ausgaben für Sachmittel. Die Hintergrundgeschichte ist, dass der Verkauf von Photovoltaik-Anlagen nicht wie erwartet läuft und es keine Anzeichen für eine Marktbelebung gibt. Das ist natürlich ärgerlich für Fronius, aber auch für die Mitarbeiter, die sich jetzt nach einer neuen Stelle umsehen müssen.
Es ist noch nicht allzu lange her, dass Fronius Probleme hatte, genügend Wechselrichter herzustellen. Zunächst gab es Probleme in der Lieferkette, gefolgt von einem starken Anstieg der Energiepreise aufgrund des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Das führte zu einer gesteigerten Nachfrage nach Solaranlagen und erhöhte die Attraktivität des Unternehmens. Fronius hat damals in den Ausbau seiner Produktionsanlagen investiert und zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Nun sind jedoch 1.000 Personen gezwungen, sich nach einer alternativen Anstellung umzusehen. Das ist wirklich schade, denn die Erwartungen an einen anhaltenden Aufschwung in der Solarindustrie haben sich nicht erfüllt.
Die Lager bei Großhändlern und Solaranlagen-Installateuren sind überfüllt und die Anzahl der Unternehmen, die Solaranlagen installieren, geht zurück. In Österreich sind die Insolvenzen in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen und einige finanziell stabile Unternehmen haben beschlossen, sich von dieser Geschäftstätigkeit abzuwenden. Das ist natürlich schlechte Nachrichten für Fronius, denn wenn es weniger Nachfrage gibt, gibt es auch weniger Bedarf an Wechselrichtern.
Aber es kommt noch schlimmer: Der chinesische Markt hat die Prognose von Fronius zusätzlich getrübt. Chinesische Hersteller haben den europäischen Markt mit Produkten zu Preisen unter den Herstellungskosten überschwemmt. Das macht es für Fronius schwierig, mitzuhalten und ihre eigenen Produkte zu verkaufen. Das ist wirklich ärgerlich und stellt Fronius vor große Herausforderungen.
Um mit der schwierigen Situation umzugehen, hat Fronius bereits Maßnahmen ergriffen. Es gab bereits einen Wechsel im Management der Solarsparte. Die Fronius-Chefin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß ist der Meinung, dass die Reduzierung der Mitarbeiterzahl ausreicht, um mit der Situation umzugehen. Aber es gibt Zweifel, ob sie noch immer so überzeugt ist. Letztendlich wird dies von der zukünftigen Geschäftsentwicklung abhängen.
Fronius wurde im Jahr 1945 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Pettenbach, Oberösterreich. Das Unternehmen erwirtschaftet knapp 66 Prozent seines Umsatzes mit Solartechnik und etwa 34 Prozent mit Schweißtechnik. Zusätzlich produziert Fronius Ladetechnik für Antriebsakkus und Starterbatterien. Die Solartechniksparte wird voraussichtlich in diesem Jahr so stark schrumpfen, dass sie etwa das gleiche Umsatzniveau wie die Schweißtechnik erreicht. Es wird erwartet, dass der Gesamtumsatz des Konzerns zweistellig zurückgeht. Aber immerhin läuft die Entwicklung der Schweiß- und Ladetechnik wie geplant. Fronius hat insgesamt 38 Tochtergesellschaften auf fünf Kontinenten, darunter auch eine in Deutschland.
Schlagwörter: Fronius + Österreich + Deutschland
Wie bewerten Sie den Schreibstil des Artikels?
