Der Skandal um das Ausspionieren im kanadischen Fußball gewinnt an Fahrt, und das nicht aufgrund von spektakulären Toren oder genialen Spielzügen. Nein, es geht um Drohnen und heimliche Aufnahmen. Das kanadische Männer- und Frauenfußballteams sollen ihre Gegner seit geraumer Zeit ausspionieren – mit und ohne den Einsatz von Drohnen.
Alles begann, als das kanadische Frauenfußball-Olympiateam während ihres Trainings eine unliebsame Überraschung erlebte: Sie wurden von einer Drohne beobachtet. Das neuseeländische Team alarmierte die französischen Behörden, und es stellte sich heraus, dass der verantwortliche Drohnenpilot kein Geringerer als Joseph Lombardi war, ein nicht akkreditierter Analytiker des kanadischen Teams. Oops.
Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten: Lombardi und Assistenztrainerin Jasmine Mander wurden nach Hause geschickt, während Cheftrainerin Bev Priestman beschloss, freiwillig vom Eröffnungsspiel gegen Neuseeland zurückzutreten. Als ob das nicht genug wäre, wurde Priestman auch noch komplett von den Spielen suspendiert. Da hat jemand wohl den Abflug verpasst, im wahrsten Sinne des Wortes.
Und als wäre der Drohnen-Spionage-Skandal nicht schon schlimm genug, zieht er immer weitere Kreise. Laut einem Bericht des Sportsenders TSN haben die kanadischen Teams dieselben Methoden bereits während des Goldmedaillenlaufs der Frauenmannschaft bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 angewendet. Und auch während eines Qualifikationsspiels für die Frauen-Weltmeisterschaft gegen Panama 2022 soll gespickt worden sein. Aber auch die Männer waren nicht untätig: 2019 haben sie Trainingsessions der US-Männermannschaft sowie ein Qualifikationsspiel für die Weltmeisterschaft gegen Honduras 2021 aufgezeichnet. Da hat wohl jemand den Film „Die Hard“ etwas zu ernst genommen.
Besonders alarmierend ist, dass den Teammitgliedern und Auftragnehmern mitgeteilt wurde, dass die Drohnen-Spionage zu ihren Aufgaben gehört – und dass ihre Jobs auf dem Spiel stehen, wenn sie nicht kooperieren. Da hat wohl jemand gedacht, er sei James Bond oder Ethan Hunt. Angeblich haben sich die Spione sogar hinter Büschen, Zäunen und Bäumen versteckt, um die Trainingssessions der gegnerischen Teams zu filmen. Ob das auch in Tarnanzügen geschah, ist nicht überliefert.
Der CEO von Canada Soccer, Kevin Blue, gibt zu, dass der Verband die ethischen Defizite untersucht. Aber einen Rückzug des Frauen-Teams von den Spielen zieht er nicht in Betracht. Schließlich waren die Spielerinnen nicht in die Drohnen-Spionage-Taktiken eingeweiht. Ob sie nun erleichtert oder enttäuscht sind, dass sie nicht Teil dieses schrägen Films waren, ist unklar. Die FIFA hat jedoch Disziplinarverfahren gegen Canada Soccer und Priestman eingeleitet. Vielleicht sollte jemand den Teams lieber beibringen, wie man gewinnt, anstatt wie man spioniert. Nur so eine Idee.
Also, liebe Fußballfans, haltet euch fest. Denn der kanadische Fußballskandal um Drohnen und Spionage gewinnt an Dynamik. Wer braucht schon Krimis, wenn es doch so viel Drama im Sport gibt? Bleibt dran, denn sicherlich wird es noch einige überraschende Wendungen geben. Und wer weiß, vielleicht gibt es bald einen neuen Film: „Mission Impossible: Die geheime Welt des kanadischen Fußballs“.
Schlagwörter: TSN + Bev Priestman + Canada Soccer
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