Die intensiven Auseinandersetzungen zwischen ARM und Qualcomm nehmen mit neuen Anschuldigungen eine dramatische Wendung. Laut Bloomberg hat Qualcomm dem Konflikt ein vorrangiges juristisches Gewicht verliehen, indem es Kartellbeschwerden bei der Europäischen Kommission, der US Federal Trade Commission und der Korea Fair Trade Commission eingereicht hat. Kernpunkt dieser Beschwerden ist der Vorwurf, dass ARM kritische Technologien zurückhält, obwohl sie im Rahmen seiner Lizenzvereinbarung mit Qualcomm zur Verfügung gestellt werden sollten. Dieser Konflikt spielt sich vor dem Hintergrund des von ARM entwickelten CPU-Befehlssatzes ab, den Qualcomm für seine hochrelevanten Mobilprozessoren nutzt. Qualcomm argumentiert, dass ARMs jahrzehntelanges offenes Lizenzmodell die Abhängigkeit von dieser Technologie vorangetrieben hat und nun durch einen Fokus auf höhere Profite die Marktdynamik gefährdet. Ein entscheidender Faktor in diesem Konflikt sind möglicherweise ARMs bisher geheime Ambitionen im Fertigungsbereich. Der ARM-Chef Rene Haas räumte kürzlich in einem Gerichtsverfahren ein, dass das Unternehmen Pläne für eigene Prozessoren hat, die nicht verworfen wurden. Dies bedeutet, dass ARM zukünftig nicht nur Designs an andere Firmen verkaufen, sondern auch selbst CPUs bei Chipauftragsfertigern wie TSMC produzieren würde. Damit stieße ARM direkt mit Qualcomm und anderen in diesem Marktsegment konkurrierenden Unternehmen zusammen. Diese Entwicklung verschärft den Konflikt zusätzlich, da sie ein direktes Konkurrenzverhältnis aufzeigt.
Einen weiteren Komplexitätsgrad bringt der japanische Investor Softbank ins Spiel, der sowohl ARM als auch Graphcore (Chipdesigner) sowie Ampere Computing (Server-CPU-Spezialist) kontrolliert. Diese Besitzkonstellationen schaffen ein Netz aus potenziellen Interessenkonflikten. Ein zusätzlicher Brennpunkt des Konflikts ist die Übernahme des Start-ups Nuvia durch Qualcomm, die von ARM scharf kritisiert wird. ARM sieht darin einen Eingriff in ihre Lizenz Einnahmen und verlangt, dass Qualcomm Nuvias Custom-ARM-Kerne nicht in die eigenen Snapdragon-X-Prozessoren integrieren darf. Dieser Fall reiht sich ein in eine Reihe von Eskalationen, die zeigen, wie tiefgreifend und komplex das Verhältnis zwischen ARM und Qualcomm geworden ist. Das Geschehen um Lizenzen, Technologiezugang, Fertigungspläne und Investorenstellungen zeichnet ein Bild eines intensiven Machtkampfes im Herzen der Halbleiterindustrie.
Schlagwörter: ARM + Qualcomm + Qualcomm Nuvias Custom-ARM-Kerne
Wie bewerten Sie den Schreibstil des Artikels?
