Die Debatte um die Zuteilung von Frequenzen oberhalb von 6 Gigahertz für den Mobilfunk in Europa entwickelt sich zunehmend dynamisch und wird von unterschiedlichen Interessen geprägt. Nach der eindringlichen Forderung der Mobilfunkanbieter, dieses Spektrum schnell zugänglich zu machen, regt sich nun Widerstand aus verschiedenen Branchen. Von Herstellern wie AVM über Breitbandverbände wie Breko bis hin zu internationalen Akteuren wie der WiFi-Alliance und irischen Internetanbietern schließen sich 58 Akteure zusammen, um ihre Position klar zum Ausdruck zu bringen: Dieses Spektrum sei vielversprechend für WLAN-Anwendungen und dürfe nicht an den Mobilfunk gebunden werden. Europa hänge bereits im Rückstand bei neuen WLAN-Standards und für fortschrittliche Generationen wie Wi-Fi 8 wäre der Frequenzbereich oberhalb von 6 GHz entscheidend. Die Mobilfunkanbieter hingegen sehen in diesen Frequenzen die Grundlage für zukünftige 6G-Technologien und betonen deren Potenzial für extreme Übertragungsraten von über 5 Gigabit pro Sekunde. Die angestrebte Nutzung dieses Spektrums steht im direkten Zusammenhang mit einem Machtkampf, der die Zukunft der Breitbandversorgung prägen wird. Mobilfunkanbieter könnten durch exklusiven Zugang zu diesem Frequenzbereich – in dem Glasfaseranbieter derzeit dominieren – eine ernstzunehmende Konkurrenz darstellen. Zwar ist die Reichweite dieser Frequenzen begrenzt und ungeeignet für ländliche Gebiete, doch in dicht besiedelten Regionen stellt sich die Frage: Wird schnelleres WLAN über Glasfaser oder Mobilfunk realisiert? Diese Entscheidung hat weitreichende Folgen für die Frequenz- und Breitbandpolitik sowie das Marktdesign. Befürworter einer zügigen Freigabe der Frequenzen für den Mobilfunk argumentieren, dass eine Verzögerung das Potenzial der Glasfaserinfrastruktur ungenutzt lassen würde und Europa im technologischen Fortschritt zurückbleiben könnte. Sie plädieren dafür, die Empfehlung der Radio Spectrum Policy Group abzuwarten und diese mit dem geplanten Digital Networks Act abzugleichen, anstatt voreilige Entscheidungen nach der Weltfunkkonferenz zu treffen, bei der dieses Spektrum für den Mobilfunk reserviert wurde. Die Debatte bleibt spannend und offen, da sie die Zukunft des Breitbandzugangs in Europa maßgeblich prägen wird.
Schlagwörter: Europa + AVM + Breko
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