Digitale Resilienz für Deutschlands Verwaltung: Ein Sicherheitsnetz für Krisenfälle

Die Digitalisierung hat die Verwaltung in Deutschland effizienter gestaltet, gleichzeitig aber auch neue Schwachstellen aufgedeckt: Die Abhängigkeit von vernetzten Systemen macht Behörden besonders anfällig für Ausfälle. Ein Stillstand wäre die Konsequenz, wenn diese digitalisierten Nervensysteme des Staates versagen. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, setzen die großen deutschen Sozialversicherer auf strategische Redundanz, ein digitales Sicherheitsnetz als Rettungsanker im Ernstfall. Unter dem Titel „Cloudbasierte Kommunikation im Krisenfall“ (CKKI) läuft derzeit ein Pilotprojekt, das einen Paradigmenwechsel symbolisiert. Die Deutsche Rentenversicherung Bund, die Bundesagentur für Arbeit sowie die IT-Dienstleister Bitmarck und T-Systems testen in diesem Rahmen eine neue Herangehensweise an die digitale Souveränität – mit OpenDesk im Zentrum.

OpenDesk, ein quelloffenes Tool zur Gestaltung eines sicheren Notfallarbeitsplatzes in der Cloud, soll den Betrieb kritischer Infrastrukturen auch in extremen Krisensituationen garantieren können. Das Projekt ist keine reine Katastrophenschutzübung für die deutsche Verwaltung, sondern dient gleichzeitig als wichtiger Beitrag zur europäischen Cloud-Initiative 8ra. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus CKKI sollen direkt in diese Initiative einfließen und damit zu einem europäischen Standard für souveräne und anbieterübergreifende IT-Infrastruktur beitragen.

Harald Joos, Cloudbeauftragter der Deutschen Rentenversicherung Bund, betont die strategische Bedeutung dieses Vorhabens: Mit dem Einsatz von OpenDesk wird nicht nur die eigene Resilienz gestärkt, sondern gleichzeitig den europäischen Partnern demonstriert, dass praxistaugliche souveräne Cloud-Lösungen auf EU-Ebene möglich sind. Das Projekt ist somit ein wichtiger Schritt für die deutsche Open-Source-Strategie und zeigt, wie Open-Source-Lösungen auch in sensiblen Bereichen wie der Verwaltung angewendet werden können.

Nachdem OpenDesk bereits erfolgreich in anderen Bereichen wie der Bundeswehr oder im öffentlichen Gesundheitsdienst Anwendung fand, steht nun die Bewährungsprobe in der Disziplin der Hochverfügbarkeit an. Sollte sich das Konzept bewähren, könnte dieser „Notfallarbeitsplatz aus der Cloud“ bald zum Standardrepertoire jeder Behörde gehören, die ihre digitale Souveränität ernst nimmt und nicht nur auf dem Papier definiert.

Ein zentraler Aspekt des Pilotprojekts ist die Interoperabilität mit unterschiedlichen Cloud-Anbietern. Alexander Pockrandt, Geschäftsführer von Zendis, sieht darin eine Bestätigung für den gewählten Weg: Die Flexibilität von OpenDesk gewährleistet, dass der Betrieb kritischer Infrastrukturen auch in extremen Krisensituationen aufrechterhalten werden kann, unabhängig davon, welcher Cloud-Anbieter die Basis bildet – sei es Ionos, Stackit oder T-Systems. Im Kern geht es darum, eine sichere und zuverlässige IT-Infrastruktur zu schaffen, die auch im Falle von Störungen oder Katastrophen den reibungslosen Betrieb des Staates ermöglicht.

Schlagwörter: OpenDesk + CKKI + T-Systems

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  • 21. Januar 2026