Die Quantentechnologie, eine Schlüsseltechnologie der Zukunft, schreitet in Deutschland mit großen Schritten voran. Ein wichtiger Meilenstein wurde am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching bei München erreicht: Dort ist nun ein Quantencomputer offiziell in Betrieb genommen worden. Es ist quasi ein Startschuss für eine Reise in unendliche Dimensionen, wie betont wurde. Euro-Q-Exa, so der Name dieses Geräts, gehört zu einer Gruppe von sechs im Rahmen eines EU-Projekts entwickelten Quantensystemen. Diese Systeme sollen in europäische Höchstleistungsrechner integriert werden und bilden das Rückgrat der europäischen Bemühungen, sich in diesem zukunftsweisenden Bereich an die Weltspitze zu positionieren und eigene Rechenkapazitäten zu schaffen.
Der neue Garchinger Quantencomputer, eingebettet in den Supercomputer SuperMUC-NG, setzt auf Technologie von IQM, einem finnisch-deutschen Unternehmen mit Wurzeln an der Aalto-Universität. Besondere Bedeutung verleiht dieser Eröffnung die Anwesenheit von Henna Virkkunen, der EU-Vizepräsidentin für Technologie und gebürtigen Finnin. Euro-Q-Exa basiert auf der Technologie des Superconducting Transmon-Quantenbits und nutzt Magnete zur Steuerung der Qubits. Mit 53 Qubits ist es aktuell eines der leistungsstärksten Systeme seiner Art in Europa. Die Finanzierung erfolgt durch eine Partnerschaft zwischen Bund, EU und Freistaat Bayern, mit insgesamt 25 Millionen Euro. Das Bundesforschungsministerium sichert zusätzlich Personal und Ausstattung.
Die Einführung von Euro-Q-Exa erzeugt erhebliche Aufmerksamkeit im politischen und wissenschaftlichen Umfeld. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär unterstreicht die Bedeutung für Deutschlands Positionierung als Technologieland in der Quantencomputatik. Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume betont die Verantwortung Bayerns für Europas digitale Zukunft, die durch solche Projekte sichtbar wird. Anders Jensen, Executive Director der EuroHPC Joint Undertaking, sieht in diesem Ereignis einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einer europäischen Quantencomputerinfrastruktur von Weltklasse.
Ein zentrales Anwendungsfeld der Quantencomputatik liegt in komplexen Optimierungsproblemen. Stellen Sie sich vor, Unternehmen müssen aus einem dichten Netz an Optionen die optimale Lösung auswählen – etwa bei Logistikketten oder Finanzmodellen. Klassische Computer stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn die Anzahl der Variablen exponentiell ansteigt. Euro-Q-Exa bietet hier eine gewaltige Leistungsreserve. Mit seiner Fähigkeit, enorme Datenmengen parallel zu verarbeiten, kann es Lösungen finden, die mit herkömmlichen Methoden unerschwinglich lange dauern würden. Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten in Bereichen wie Materialforschung, Medikamentenentwicklung oder Künstlicher Intelligenz. Die Inbetriebnahme von Euro-Q-Exa markiert somit einen wichtigen Wendepunkt auf dem Weg zu einem Quantencomputerzeitalter.
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