Die Document Foundation kritisiert scharf die Europäische Kommission für ihre Forderung an Interessengruppen, Rückmeldungen zum Cyber-Resilienz-Gesetz im proprietären XLSX-Format von Microsoft einzureichen. In einem offenen Brief an die Kommission wird diese Praxis als direkte Verletzung der EU-Commitments zu Interoperabilität und offenen Standards dargestellt. Trotz der Standardisierung von XLSX als OOXML (ISO/IEC 29500) betont die Foundation, dass Microsofts Implementierung häufig von dieser Spezifikation abweicht. Funktionsänderungen und unstandardisierte Elemente können die Kompatibilität mit Open-Source-Anwendungen wie LibreOffice erheblich beeinträchtigen. Durch die Exklusivität auf XLSX entsteht laut Document Foundation eine strukturelle Benachteiligung für Nutzer von Open-Source-Lösungen. Die Verwendung von LibreOffice zum Bearbeiten der Vorlage kann zu Kompatibilitätsproblemen mit komplexen Formatierungen oder Makros führen, was insbesondere kleine Organisationen und öffentliche Behörden, die stark auf ODF-basierte Prozesse angewiesen sind, in Schwierigkeiten bringen könnte.
Die Foundation erinnert an relevante EU-Initiativen wie das Europäische Interoperabilitätsrahmenwerk und die EU-Strategie für Open-Source-Software, die die Prinzipien offener Standards explizit fördern. Sie unterstreicht zudem, dass das selbst ins Auge gefasste Cyber-Resilienz-Gesetz darauf abzielt, Risiken durch Abhängigkeiten von nicht transparenten Technologien zu minimieren – eine Zielsetzung, die durch die Präferenz für proprietäre Formate wie XLSX indirekt konträr wird.
Der offene Brief an die Kommission, an den auch FOSS-Organisationen und -Befürworter eingeladen sind, sich anzuschließen, fordert neben der Option zum Verwenden von ODF (durch LibreOffice) auch webbasierte Formulare oder reine Textfelder als Alternativen zur Einreichung von Stellungnahmen. Diese Forderungen zielen darauf ab, eine breitere und inklusivere Beteiligung an der Diskussion rund um das Cyber-Resilienz-Gesetz zu ermöglichen, ohne die Open-Source-Community diskriminierend einzuschränken. Die Europäische Kommission ist bislang jedoch nicht auf die Kritik eingegangen.
Schlagwörter: XLSX + LibreOffice + Foundation
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