Unternehmen in der DACH-Region wachsen zunehmend besorgt über ihre Abhängigkeit von großen Cloud-Anbietern, die sie als strategisches Risiko begreifen. Dies zeigt sich deutlich in einer aktuellen Studie von Lünendonk & Hossenfelder, in der 83 Prozent der befragten Unternehmen ein Szenario mit einem sogenannten Kill-Switch realistisch einschätzen – also die Möglichkeit, dass ein Cloud-Provider den Zugang zu essentiellen IT-Diensten auf eigenmächtige Weise einschränkt oder vollständig unterbindet. Paradoxerweise verfügen nur 57 Prozent dieser Unternehmen über eine Exit-Strategie für einen solchen Wechsel des Providers, während 43 Prozent ohne einen klaren Plan bleiben. Die Studie unterstreicht damit ein deutlich vorhandenes Ungleichgewicht: Die Angst vor Abhängigkeit ist hoch, konkrete Gegenmaßnahmen sind jedoch noch unzureichend etabliert.
Die Befragung zeigt außerdem, dass die Suche nach alternativen Lösungen in vollem Gange ist. 42 Prozent der Unternehmen setzen bereits auf Multi-Cloud-Architekturen, weitere 46 Prozent planen deren Implementierung. Diese Architektur soll Abhängigkeiten von einem einzelnen Anbieter minimieren und mehr Flexibilität sowie Redundanz bieten. Die Studie zeigt dabei einen Trend hin zu europäischen Superscalern, die sich als Wettbewerber zu den US-amerikanischen Hyperscalern etablieren wollen. 48 Prozent der Unternehmen sehen in diesen europäischen Anbietern eine relevante Alternative, während 36 Prozent US-Hyperscaler mit souveränen Angeboten bevorzugen.
Ein kritischer Faktor bleibt jedoch die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Cloud-Anbieter im Bereich Plattform-, KI- und Ökosystemleistungen. Während 93 Prozent die Infrastruktur von europäischen Providern als konkurrenzfähig einstufen, sehen nur 3 Prozent in ihnen eine Gleichwertigkeit mit den US-Hyperscalern – und selbst diese Einschätzung wird bis 2030 nicht erwartet. Dies verdeutlicht eine bestehende Lücke, die geschlossen werden muss, damit europäische Anbieter vollumfänglich als Alternative zu den dominierenden US-Giganten fungieren können.
Tobias Ganowski, Senior Consultant bei Lünendonk & Hossenfelder, appelliert eindringlich zum Handeln: Digitale Souveränität darf nicht aufgeschoben werden. Unternehmen müssen jetzt aktiv Abhängigkeiten reduzieren, auch wenn dies mit Herausforderungen und Kosten verbunden ist. Es geht nicht um vollständige Autarkie, sondern um die Fähigkeit, kritische Abhängigkeiten kontrolliert zu gestalten, Risiken zu managen und Handlungsfähigkeit zu bewahren. Mario Zillmann, Senior Partner bei Lünendonk & Hossenfelder, ergänzt diese Position mit der Betonung, dass klassische Hyperscaler-Angebote nicht ersetzt, sondern gezielt um souveräne Alternativen erweitert werden sollten. Die Zukunft der IT sei daher hybrid und differenziert.
Die Studie von Lünendonk & Hossenfelder liefert ein wichtiges Rüstzeug für Unternehmen in ihrem Bestreben, digitale Souveränität zu erlangen und Risiken im Cloud-Ökosystem effektiver zu managen.
Schlagwörter: Lünendonk + Hossenfelder + Tobias Ganowski
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