Collabora und TDF im Streit: Turbulenzen in der LibreOffice-Community

Der Bruch zwischen Collabora und der The Document Foundation (TDF), dem Träger von LibreOffice, kam über Ostern wie eine überraschende Flutwelle und sorgte für enorme Turbulenzen in der Open-Source-Community. Die Eskalation hatte ihren Ursprung in tief liegenden Konflikten und Missverständnissen, die sich allmählich aufbauten, bevor sie schließlich durch einen offenen Brief von Collabora am 1. April zum Ausbruch führten. Dieser Brief schilderte vermeintliche Verfehlungen der TDF, darunter Restriktionen bei der Nutzung der Marke „LibreOffice“ ausschließlich für Unternehmen innerhalb ihres eigenen Netzwerks und die fragwürdige Vergabe von Entwicklungsaufträgen an Vorstandsmitglieder. Dabei kritisierte Collabora besonders den Missbrauch der Marke durch externe Akteure, während legitime Nutzer unterdrückt wurden – als Beispiel diente die Website libreoffice.io.

Die Reaktionen auf das Schreiben waren heftig und führten dazu, dass die TDF bereits am Ostersonntag Stellung nahm. Die Stiftung räumte ein, dass zwei Entscheidungen aus der Vergangenheit tatsächlich gegen deutsches Recht verstoßen könnten und ihre Gemeinnützigkeit gefährdet hätten: die Restriktion bei der Markenlizenzierung und die bevorzugte Auftragsvergabe an Vorstandsmitglieder. Diese Praktiken, so argumentierte die TDF, wurden von den betroffenen Unternehmen absichtlich nicht aufgegeben, um den „Status quo“ zu erhalten. Die Einführung einer parallelen Organisation namens TDC als Notbremse verschärfte die Spannungen weiter. Als Konsequenz wurden ein Ausschreibungsstopp und die Aberkennung des Mitgliederstatus für Collabora-Mitarbeiter beschlossen – Maßnahmen, die nach anwaltlicher Prüfung rechtlich sicherer sein sollen.

Die TDF will den Verlust von Entwicklern aus dem Collabora-Team durch neue Einstellungen und Partnerschaften kompensieren. Doch der Ausbruch dieser Krise hinterlässt unweigerliche Spuren. Collabora fokussiert sich nun stärker auf ihr eigenes Office-Paket, während die TDF mit der Herausforderung konfrontiert ist, den fehlenden Entwicklungsfortschritt auszugleichen. Die Zukunft von LibreOffice hängt somit von der Fähigkeit der Stiftung ab, passende Partner zu finden und ausreichend neue Entwickler zu gewinnen. Eine Verlangsamung in der Entwicklung ist zumindest vorerst unvermeidlich. Dieser Konflikt eröffnet jedoch auch neue Perspektiven für Anwender, die zukünftig eine größere Auswahl an Open-Source-Büropaketen haben werden.

Schlagwörter: TDF + Collabora + LibreOffice

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  • 7. April 2026