Die Künstliche Intelligenz (KI) hat den Alltag der deutschen Bevölkerung längst erobert, doch das Risikobewusstsein scheint dem technischen Fortschritt nicht Schritt halten zu können. Eine Sonderauswertung des Cybersicherheitsmonitors 2026 unterstreicht diese Kluft zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlichen Kenntnissen in Bezug auf KI. Zwar geben fast die Hälfte der befragten Internetnutzer an, KI-generierte Inhalte erkennen zu können, doch ihre Praxis zeigt ein anderes Bild: Die meisten schauen nicht genau hin.
KI-generierte Bilder und Videos sind laut der repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention (ProPK), die über 3000 Personen umfasste, bereits Teil des Alltags. Mehr als jeder Zweite der Befragten hält es für möglich, dass ein Video einer Persönlichkeit durch Deepfakes gefälscht wurde.
Trotz dieser Erkenntnis zeigt sich jedoch, dass viele technisch bereits mögliche Betrugsszenarien von der breiten Bevölkerung noch als unrealistisch eingestuft werden. Beispielsweise halten nur 38 Prozent die Manipulation eines KI-Agenten zur Preisgabe persönlicher Daten für realistisch. Ähnlich gering ist das Bewusstsein für unsichtbare, bösartige Anweisungen in Dokumenten, die KI-Sprachmodelle beim Zusammenfassen austricksen können.
Besonders perfide Formen des Betrugs zeigen sich im Bereich der Geldanlagen. Die ProPK-Vorsitzende Stefanie Hinz verweist auf Online-Trading-Betrug als zunehmendes Problem im Polizeialltag. Kriminelle nutzen dabei KI-gestützte Deepfakes prominenter Persönlichkeiten, die in überzeugenden Videos für vermeintlich lukrative Kryptowährungen werben.
Die Statistik untermauert diese Gefahr: 15 Prozent der Befragten haben in Kryptowährungen investiert, und fast jeder Dritte dieser Gruppe ist bereits Opfer eines betrügerischen Angebots geworden, meist durch gezielte Werbung im Internet. Gleichzeitig zeigt sich ein hohes Vertrauen in staatliche Schutzmechanismen. Eine breite Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich ein konsequentes Eingreifen der Behörden. Spitzenreiter auf der Wunschliste sind schnelles polizeiliches Handeln bei betrügerischen Webseiten sowie eine verpflichtende Kennzeichnungspflicht für alle mit KI erstellten oder veränderten Inhalte. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit verstärkter Aufklärung und Präventionsmaßnahmen, um die Bevölkerung bestmöglich vor den Gefahren des KI-geprägten digitalen Raums zu schützen und gleichzeitig das Vertrauen in staatliche Schutzmechanismen zu stärken.
Schlagwörter: KI + BSI + ProPK
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