Das European Cloud Competition Observatory (ECCO), ein vom Branchenverband CISPE eingerichtetes Beobachtungsgremium, zieht eine differenzierte Bilanz zum Umgang mit Cloud-Kompetitivität in Europa. Während Microsoft sich zwar noch nicht vollständig aus dem Dilemma befreien konnte, signalisiert ECCO jedoch Hoffnung auf Fortschritte. Im Kontrast dazu steht Broadcom, das laut Beobachtungsstelle ein „hoffnungsloser Fall“ im Bereich Lizenzierungspraxis ist.
Der Hintergrund dieser Einschätzung: Nach der überraschenden Rücknahme seiner Wettbewerbsbeschwerde gegen Microsoft im Juli wurde der Technologiekonzern als Mitglied ohne Stimmrecht in CISPE aufgenommen. Dieser Schritt ging mit konkreten Versprechen Microsofts einher, darunter Korrekturen seiner Vertragsklauseln für Cloud-Dienste sowie die Entwicklung einer erweiterten Azure Stack HCI-Version, die es europäischen Anbietern ermöglicht, Microsoft-Anwendungen und -Dienste auf ihren Infrastrukturen anzubieten. Zudem floss laut Angaben eine Summe von rund 20 Millionen Euro von Microsoft an CISPE. Das ECCO wurde eingerichtet, um die Umsetzung dieser Absichtserklärungen zu überwachen – einschließlich der Bekämpfung unfairer Softwarelizenzierungspraktiken, die die Cloud-Wahl für europäische Kunden gefährden.
Microsoft: Gelb im ersten Report
Im ersten ECCO-Umsetzungsbericht erhält Microsoft eine „Gelbe Karte“. Dies bedeutet, dass der Azure-Betreiber zwar Schritte in Richtung einer Lösung unternommen hat, aber noch nicht vollständig auf Kurs ist. Es bestehen Bedenken hinsichtlich des Fortschritts und der Überwindung von Hindernissen bei der Implementierung des vorgeschlagenen Hosting-Produkts sowie bei den Änderungen an zeitlich befristeten Abo-Lizenzen (Services Provider Licensing Agreement). Trotz verbesserter Zusammenarbeit mit CISPE-Mitgliedern, darunter AWS, Oxya, Leaseweb, UpCloud und weiteren, besteht noch Handlungsbedarf.
Broadcom: Ein „hoffnungsloser Fall“?
Ganz anders fällt das Fazit zu Broadcom aus. Der Konzern steht nach der Akquisition von VMware in scharfer Kritik. Seit März fordert CISPE eine Überarbeitung der „brutalen und inakzeptablen Änderungen“ an Lizenzvereinbarungen für VMware, die für viele Mitglieder zentral sind. Doch bis heute hat sich laut ECCO nichts geändert. Die einzige Option scheint nun entweder ein Gerichtsverfahren oder die Zusammenarbeit mit Kartellbehörden zu sein.
Fazit: Der erste Bericht des ECCO skizziert ein komplexes Bild der Cloud-Landschaft in Europa. Während Microsoft noch Raum für Verbesserungen bietet, signalisiert die Entwicklung zumindest eine Tendenz zur Lösung von Konflikten. Bei Broadcom hingegen zeichnet sich ein düsterer Verlauf ab, der zu einem längeren und möglicherweise juristischen Konflikt führen könnte. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Situation im Sinne europäischer Cloud-Kompetitivität weiter entspannt.
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