Die missratene Revolution: IBMs gescheiterte Festplattenerweiterung und der schleichende Untergang einer Ära

IBM traf im Frühjahr 2000 eine Entscheidung, die letztendlich misslungen war: die Erweiterung seiner DTLA-Festplattenserie. Zwei neue Modellreihen, die Deskstar 40GV und 75GXP, sollten den Markt revolutionieren – nicht nur durch ihre Kapazität, sondern auch durch das erstmals verwendete Material: Glas statt Aluminiumlegierungen. Die 40GV mit 20 Gigabyte Kapazität kündigte ein neues Zeitalter an, da eine 100-Gigabyte-Variante möglich gewesen wäre. Problematisch war jedoch die 75GXP-Serie, die in sechs Kapazitäten von 15 bis 75 Gigabyte angeboten wurde, einschließlich eines Modells mit 20 Gigabyte und zwei Glasplatten für eine höhere Kapazität. Diese Innovation hatte allerdings negative Auswirkungen. Nach dem Release traten Probleme auf, die zum sogenannten „Click of Death“ führten. Das charakteristische Klick-Geräusch beim Datenabruf deutete auf mechanische Defekte hin, was zu Datenverlusten und Ausfällen der Laufwerke führte. IBM versuchte, die Situation mit Updates und Testprogrammen zu entschärfen, doch der Schaden war bereits entstanden. Die Deskstar 75GXP wurde zum Synonym für technisches Versagen und fand 2006 Platz auf einer Liste der schlechtesten Tech-Produkte aller Zeiten. Der Skandal beschädigte das Image von IBM und führte zu einem Umsatzrückgang im Festplattenbereich, besonders zu einem Zeitpunkt, als IBM die Zukunft des PC-Marktes infrage stellte und sich auf mobile Technologien konzentrieren wollte. 2002 verkaufte IBM seine gesamte Festplattensparte an Hitachi für 2,05 Milliarden US-Dollar. Ein Teil blieb zunächst in Hitachi Global Storage Technologies (HGST), das Ende 2005 vollständig in Hitachis Besitz überging. Damit endete nach fast fünf Jahrzehnten die IBM-Ära der Festplattenproduktion. HGST wurde später von Western Digital übernommen, wobei Teile aufgrund kartellrechtlicher Vorgaben an Toshiba gingen. Heute sind Seagate, Toshiba und Western Digital die verbliebenen Giganten des Marktes.

Schlagwörter: IBM + Deskstar + Hitachi

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  • 15. März 2025