Die Durchführung von Obduktionen spielt eine wichtige Rolle bei der Erforschung von Krankheiten und Krankheitserregern. Sie ermöglicht Einblicke in die Schäden, die sie an Organen, Gewebe und Zellen verursachen. In Deutschland gibt es jedoch noch keine einheitliche nationale Datenbank, in der alle klinischen Obduktionen erfasst werden. Das Nationale Obduktionsregister (NAREG) soll dies in Zukunft ändern.
Das Nationale Obduktionsnetzwerk (NATON) ist ein Projekt, das von Mitarbeitern des Universitätsklinikums RWTH Aachen und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf ins Leben gerufen wurde. Es ermöglicht eine effiziente elektronische Erfassung von Obduktionsdaten und eine kontinuierliche zentrale Überwachung dieser Daten. Dadurch können neuartige Krankheiten und ihre Verbreitung schneller erkannt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, Krankheitserreger schneller zu charakterisieren.
NAREG hat das Ziel, die Zusammenarbeit sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene zu stärken und zu verbessern. Während der Corona-Pandemie wurden erste Erfahrungen mit einem Obduktionsregister durch das Deutsche Register für COVID-19 Obduktionen (DeRegCOVID) gesammelt. Die Daten, die im Rahmen von DeRegCOVID gesammelt und analysiert wurden, dienten als Grundlage für eine nationale multizentrische COVID-19-Obduktionsstudie, die bisher weltweit die größte ihrer Art ist. Diese Studie lieferte wichtige Informationen zur Pathophysiologie und dem Verlauf der Krankheit, die in der Patientenversorgung und Therapie Anwendung fanden.
Aus dem ersten Obduktionsregister entstand das Deutsche Forschungsnetz für Obduktionen bei Pandemien (DEFEAT PANDEMIcs), das sich zum Nationalen Obduktionsnetzwerk (NATON) weiterentwickelt hat. NATON hat das Ziel, die Vernetzung und den Wissenstransfer zwischen den Bereichen Pathologie, Neuropathologie und Rechtsmedizin voranzutreiben. Es bietet eine Plattform für vernetzte obduktionsgestützte Forschung, auf der Daten und Methoden zur Verfügung gestellt werden. Neben der Bewältigung von Infektionskrankheiten und dem Pandemiemanagement ist NATON grundsätzlich für alle Projekte und Anwendungsfälle konzipiert, die auf Obduktionen basieren.
Ab August 2023 wird NAREG als zentrales Register eingeführt. Es wird in einem Rechenzentrum mit ISO-27001-Zertifizierung gehostet und bietet den Nutzern über eine webbasierte Plattform Zugriff auf die Daten. Die Plattform ist durch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt und die Übertragung der Daten erfolgt über eine verschlüsselte Verbindung mittels TLS. Die Übermittlung der Daten erfolgt ausschließlich elektronisch. Alle während der Obduktion entnommenen Proben werden in den entsprechenden Obduktionszentren dezentral aufbewahrt.
Mit der Einführung von NAREG wird eine wichtige Grundlage für die Forschung und Verbesserung des Krankheitsmanagements, der Patientenversorgung und der Therapie geschaffen. Es ermöglicht eine bessere Zusammenarbeit und den Austausch von Wissen auf nationaler und internationaler Ebene. Durch die systematische Erfassung und Analyse von Obduktionsdaten können neue Erkenntnisse gewonnen werden, die dazu beitragen, Krankheiten und Krankheitserreger besser zu verstehen und effektivere Maßnahmen zu entwickeln.
Schlagwörter: NATON + NAREG + Deutschland
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