{"id":2241,"date":"2023-11-28T20:21:41","date_gmt":"2023-11-28T20:21:41","guid":{"rendered":"https:\/\/byte-bucket.com\/2023\/11\/28\/cybersicherheitsgipfel-in-berlin-herausforderungen-und-zusammenarbeit-im-fokus\/"},"modified":"2023-11-28T20:21:41","modified_gmt":"2023-11-28T20:21:41","slug":"cybersicherheitsgipfel-in-berlin-herausforderungen-und-zusammenarbeit-im-fokus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/byte-bucket.com\/?p=2241","title":{"rendered":"Cybersicherheitsgipfel in Berlin: Herausforderungen und Zusammenarbeit im Fokus"},"content":{"rendered":"<p>Am Dienstag fand in Berlin der erste Cybersicherheitsgipfel statt, bei dem rund 200 Teilnehmer \u00fcber die aktuellen Herausforderungen in der Cybersicherheit diskutierten. Im Fokus stand dabei auch die Zusammenarbeit der beteiligten Parteien.<\/p>\n<p>Markus Richter, Vorsitzender des Nationalen Cybersicherheitsrats der Bundesregierung (NCSR) und Staatssekret\u00e4r im Bundesministerium des Innern, betonte in seiner Er\u00f6ffnungsrede, dass die Lage in der Cybersicherheit bedrohlich sei. Deshalb beabsichtige das Bundesministerium des Innern, das Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als zentrale Einrichtung f\u00fcr IT-Sicherheitsvorf\u00e4lle zu st\u00e4rken. Richter betonte die Bedeutung, dies im Grundgesetz klarzustellen, um Kritik seitens einiger Bundesl\u00e4nder entgegenzuwirken. Die Landesinnenministerin von Niedersachsen, Daniela Behrens (SPD), unterst\u00fctzt das Vorhaben und bef\u00fcrwortet die Entwicklung des BSI zu einer zentralen Einrichtung, um eine effektive Kooperation zwischen Bund und L\u00e4ndern zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Bundes-CIO Richter wies darauf hin, dass im Schadensfall keine Zeit f\u00fcr Zust\u00e4ndigkeitsstreitigkeiten bleibt. Besonders im Hinblick auf den \u00dcbergang zur Cloud sei es entscheidend, dass der Bund Kompetenzen in der Infrastruktursicherheit besitzt. Oft seien unzureichende Vorgaben, wie die Nichtber\u00fccksichtigung von Sicherheitspatches, Einfallstore f\u00fcr Angriffe. Claudia Plattner, Pr\u00e4sidentin des BSI, betonte, dass etablierte Prozesse im Vordergrund stehen sollten, um IT-Sicherheitsvorf\u00e4llen zu begegnen. Es sei wichtig, die erforderlichen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, unabh\u00e4ngig davon, wer daf\u00fcr zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p>Richter wies auch darauf hin, dass die finanzielle Lage f\u00fcr das Haushaltsjahr 2024 angespannt sei und Investitionen in die IT-Sicherheit nicht so attraktiv seien wie die Bew\u00e4ltigung akuter Probleme. Er betonte die Relevanz von Schnittstellen, um das europ\u00e4ische Recht in Bezug auf IT-Sicherheit zu harmonisieren. Das Bundesministerium des Innern geht davon aus, dass die \u00fcberarbeitete EU-Netzwerk- und Informationssicherheitsrichtlinie (NIS2) fast 30.000 verpflichtende Positionen beinhalten wird &#8211; eine Verzehnfachung im Vergleich zu bisherigen Zahlen. Daher sei es wichtig, technische Hilfsmittel einzusetzen, um den \u00dcberblick zu behalten und sich nicht selbst zu behindern. Das BSI hat derzeit 200 offene Stellen, die schnell besetzt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Plattner betonte, dass das Problem der Cybersicherheit nicht allein durch Regulierung und Beh\u00f6rden gel\u00f6st werden k\u00f6nne. Die gesamte Gesellschaft sei gefragt, eine sichere Cybernation zu schaffen. Plattner \u00e4u\u00dferte die Ansicht, dass das Thema Cybersicherheit noch nicht vollst\u00e4ndig verstanden und umgesetzt wurde. Es sei notwendig, die Widerstandsf\u00e4higkeit zu st\u00e4rken und mehr Automatisierung einzuf\u00fchren. Ein umfassendes \u00d6kosystem k\u00f6nne die Entwicklung von L\u00f6sungen erm\u00f6glichen und die Entstehung von M\u00e4rkten f\u00f6rdern. Die Bedeutung funktionsf\u00e4higer Standards und Zertifizierungen werde in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern immer wichtiger.<\/p>\n<p>Plattner erkennt darin eine potenzielle M\u00f6glichkeit, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. F\u00fcr die Etablierung von Zertifizierungen und Standards sei es erforderlich, einen europ\u00e4ischen Rahmen zu schaffen. Plattner setzt gro\u00dfe Hoffnungen in die europ\u00e4ische Netzwerk- und Informationsbeh\u00f6rde ENISA. Sie betonte, dass Deutschland sich aktiv in vielen wichtigen Bereichen engagiert, aber \u00fcber Kernbereiche der Cybersicherheit nur mit einem begrenzten Kreis von Partnern sprechen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Siegfried Russwurm, Pr\u00e4sident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), betonte, dass Cybersicherheit nicht nur f\u00fcr digitale Experten relevant ist. In Deutschland besch\u00e4ftige sich mittlerweile jeder Aufsichtsrat mit dem Thema IT-Sicherheit. Dies habe auch unerwartete Auswirkungen, insbesondere bei der Frage der Regulierung. Ein Beispiel daf\u00fcr ist der geplante Cyber Resilience Act (CRA), der unter anderem genauere Cybersicherheitsvorgaben f\u00fcr Internet-of-Things-Ger\u00e4te festlegen soll, auf Wunsch der Industrie.<\/p>\n<p>Auf dem Gipfel wurde intensiv \u00fcber eine verst\u00e4rkte Kooperation diskutiert. Dag Baehr, Vizepr\u00e4sident des Bundesnachrichtendienstes, d\u00e4mpfte jedoch die Euphorie und wies darauf hin, dass staatliche Akteure nur etwa 20 Prozent der Gesamtbeobachtungen ausmachen. Die Grenze zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren verschwimmt zunehmend, insbesondere bei Angriffen \u00fcber Proxies. Es entstehen auch Schwierigkeiten, wenn staatliche Organisationen privaten Gruppen einen gesch\u00fctzten Ort zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>Baehr nannte Russland, China, Nordkorea und den Iran als Hauptangriffsl\u00e4nder. Er betonte, dass es schwierig sei, international umzusetzen, was bereits national problematisch sei. Das BND-Gesetz wurde erst vor zwei Wochen \u00fcberarbeitet und wird nun haupts\u00e4chlich als Datenschutzgesetz betrachtet, insbesondere im Hinblick auf IP-Adressen. Dies stellt jedoch eine Herausforderung f\u00fcr die Arbeit des Bundesnachrichtendienstes dar, da dieser m\u00f6glichst keine Informationen \u00fcber seine eigenen F\u00e4higkeiten preisgeben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>John Reyels, Leiter des Koordinierungsstabs f\u00fcr Cyberau\u00dfen- und Cybersicherheitspolitik im Ausw\u00e4rtigen Amt, betonte die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit anderen Staaten, um einen sicheren Cyberraum zu gew\u00e4hrleisten. Es wird auf verschiedenen Ebenen versucht, dies \u00fcber internationale Normen \u00fcber die UNO zu erreichen. Dies gestaltet sich jedoch manchmal schwierig, insbesondere wenn L\u00e4nder wie Nordkorea beteiligt sind. Dennoch sei die Zusammenarbeit mit vielen anderen Staaten gut. Deutschland engagiert sich aktiv in vielen wichtigen Bereichen, aber \u00fcber Kernbereiche der Cybersicherheit k\u00f6nne nur mit einem begrenzten Kreis von Partnern gesprochen werden &#8211; nicht einmal alle NATO-Staaten seien darin enthalten.<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter: Cybersicherheit + BSI Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik + Zusammenarbeit<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Dienstag fand in Berlin der erste Cybersicherheitsgipfel statt, bei dem rund 200 Teilnehmer \u00fcber die aktuellen Herausforderungen in der Cybersicherheit diskutierten. Im Fokus stand dabei auch die Zusammenarbeit der beteiligten Parteien. 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