{"id":300,"date":"2023-10-15T11:40:10","date_gmt":"2023-10-15T11:40:10","guid":{"rendered":"https:\/\/byte-bucket.com\/2023\/10\/15\/lemmings-die-lebensretter-der-verwaisten-domains\/"},"modified":"2023-10-15T11:40:10","modified_gmt":"2023-10-15T11:40:10","slug":"lemmings-die-lebensretter-der-verwaisten-domains","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/byte-bucket.com\/?p=300","title":{"rendered":"LEMMINGS: Die Lebensretter der verwaisten Domains"},"content":{"rendered":"<p>Was passiert, wenn man die Kontrolle \u00fcber seine Domain verliert? Man verliert nicht nur den Zugang zum Internet, sondern auch die Post. Und das kann zu gro\u00dfen Datenschutzproblemen f\u00fchren, meine lieben Internetfreunde. Aber keine Sorge, denn die Stichting Internet Domeinregistratie Nederland (SIDN), die f\u00fcr den .nl-Adressraum zust\u00e4ndige Registry, hat da etwas entwickelt: LEMMINGS. Klingt komisch, ist aber so.<\/p>\n<p>Mit Hilfe von LEMMINGS erhalten Domain-Besitzer automatische Warnungen, wenn sie ihre Adresse aufgeben, aber trotzdem noch E-Mails erhalten. Das ist doch mal eine praktische Sache, oder? Stellt euch vor, ihr gebt aus finanziellen oder nachl\u00e4ssigen Gr\u00fcnden eure Domain auf und jemand anderes schnappt sie sich. Diese Person richtet dann einen eigenen Mail-Server ein und bekommt unfreiwillig eure Mails. Das kann b\u00f6se enden, vor allem wenn es sich um sensible Informationen handelt. Und das ohne jegliche Hacks, meine lieben Leser! Da sieht man mal wieder, dass man selbst die besten Schl\u00f6sser am Briefkasten haben kann, aber wenn man den Schl\u00fcssel einfach rumliegen l\u00e4sst, ist das Ganze f\u00fcr die Katz.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Organisationen haben mittlerweile eine beachtliche Anzahl von Domains, die nicht immer professionell verwaltet werden. Da kann es schon mal passieren, dass man eine seit Jahren genutzte Domain aus den Augen verliert und sie in die H\u00e4nde unerw\u00fcnschter Personen ger\u00e4t. Das ist wie beim Aufr\u00e4umen des K\u00fchlschranks &#8211; man vergisst, dass man da hinten noch eine Packung abgelaufener Joghurts stehen hat. Nur dass es bei Domains nicht nach altem Joghurt, sondern nach Datenlecks riecht.<\/p>\n<p>Laut Medienberichten soll die niederl\u00e4ndische Nationalpolizei im Jahr 2017 noch \u00fcber 3600 Domains besessen haben, von denen einige angeblich verloren gegangen sind. Da muss man sich doch fragen, ob die Polizei sich nicht lieber um die Verbrecherjagd k\u00fcmmern sollte, statt ihre Domains zu verlieren. Aber gut, das ist ein anderes Thema.<\/p>\n<p>Dank LEMMINGS gibt es jetzt Hoffnung f\u00fcr verwaiste Domains. W\u00e4hrend des Quarant\u00e4nezeitraums, der stolze 40 Tage dauert, \u00fcberpr\u00fcft die Registry automatisch, ob weiterhin relevante E-Mails an die Adresse gesendet werden. Das macht LEMMINGS automatisch anhand der Absenderadresse, ohne den sichtbaren Inhalt der Mails zu lesen. Das w\u00e4re ja auch noch sch\u00f6ner, wenn die Registry in unseren privaten E-Mails schn\u00fcffeln w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wenn LEMMINGS einen bedeutenden E-Mail-Verkehr feststellt, wird eine Warnung an die registrierte E-Mail-Adresse bei der Registrierungsstelle gesendet. In dieser Warnung wird erkl\u00e4rt, wie die Domain m\u00f6glicherweise wiederhergestellt werden kann. Die fr\u00fcheren Besitzer k\u00f6nnen dann entscheiden, ob sie ihre Domain zur\u00fcckhaben wollen oder nicht. Das ist doch fair, oder?<\/p>\n<p>LEMMINGS wurde bereits neun Monate lang aktiv genutzt und hat dabei beeindruckende 600.000 Domains analysiert. Das sind eine ganze Menge Domains, meine lieben Leser. Jeden Tag werden au\u00dferdem vier Billionen Anfragen an das DNS-System \u00fcberpr\u00fcft. Das ist schon fast so viel wie die Anzahl der Kekse, die ich in einer Woche verdr\u00fccke.<\/p>\n<p>Bisher gab es nur wenige Beschwerden \u00fcber die E-Mails von LEMMINGS und die niederl\u00e4ndische Internet-Community hat das Projekt positiv aufgenommen. Bei besonders gef\u00e4hrdeten Domains konnte die Anzahl der sogenannten Cancel-Requests um mehr als das Siebenfache erh\u00f6ht werden. Das ist doch mal eine Erfolgsquote, die sich sehen lassen kann!<\/p>\n<p>Aber leider bleibt das Problem bestehen, dass die Eigent\u00fcmer ihre Domain m\u00f6glicherweise \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum weiterhin bezahlen m\u00fcssen, um Datenlecks zu vermeiden. Das ist zwar \u00e4rgerlich, aber angesichts der Gefahr und der vergleichsweise geringen Kosten wohl die vern\u00fcnftigste Vorgehensweise. Denn nichts ist schlimmer als ein Datenleck, au\u00dfer vielleicht ein verbranntes Nutellabrot. Aber das ist wieder ein anderes Thema.<\/p>\n<p>LEMMINGS befindet sich derzeit noch in der Pilotphase, aber die SIDN hat gro\u00dfe Pl\u00e4ne. Bis zum Ende des Jahres m\u00f6chte die Registry mit ihren Registraren besprechen, wie es in Zukunft weitergehen soll. Au\u00dferdem hofft sie, dass auch andere Registries Interesse an diesem Verfahren zeigen. Denn das Abfangen sensibler E-Mails betrifft nicht nur die .nl-TLD, sondern alle Domains.<\/p>\n<p>In einer Welt, in der Daten immer wichtiger werden, ist es beruhigend zu wissen, dass es Leute gibt, die sich um unsere Domains und E-Mails k\u00fcmmern. Also, liebe Leser, haltet eure Domains fest in euren H\u00e4nden und lasst sie nicht wie eine Socke in der Waschmaschine verschwinden. Denn wer wei\u00df, wer sich dann an euren E-Mails bedient.<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter: SIDN + LEMMINGS + Datenschutzprobleme<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was passiert, wenn man die Kontrolle \u00fcber seine Domain verliert? 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