{"id":6047,"date":"2024-03-27T19:53:54","date_gmt":"2024-03-27T19:53:54","guid":{"rendered":"https:\/\/byte-bucket.com\/2024\/03\/27\/russische-firma-trainiert-verbotene-ueberwachungstechnologie-verstoss-gegen-eu-sanktionen\/"},"modified":"2024-03-27T19:53:54","modified_gmt":"2024-03-27T19:53:54","slug":"russische-firma-trainiert-verbotene-ueberwachungstechnologie-verstoss-gegen-eu-sanktionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/byte-bucket.com\/?p=6047","title":{"rendered":"Russische Firma trainiert verbotene \u00dcberwachungstechnologie &#8211; Versto\u00df gegen EU-Sanktionen?"},"content":{"rendered":"<p>Russland setzt verst\u00e4rkt auf Crowd- und Clickworker, um die Effektivit\u00e4t seiner Video\u00fcberwachungssysteme zu steigern. Insbesondere in Moskau werden Softwareprogramme f\u00fcr automatisierte Gesichtserkennung trainiert. Doch nun wurde bekannt, dass die niederl\u00e4ndische Firma Toloka laut einer Untersuchung einer journalistischen Recherchegruppe den milit\u00e4risch-industriellen Komplex unterst\u00fctzt hat, indem sie Systeme der russischen Ausr\u00fcster NTechLab und Tevian trainiert hat. Diese beiden Unternehmen stehen seit Juli 2023 unter EU-Sanktionen, wodurch m\u00f6glicherweise ein Gesetzesversto\u00df vorliegt. Toloka ist eine Tochtergesellschaft des russischen Suchmaschinen-Konzerns Yandex und hat auch eine Niederlassung in der Schweiz.<\/p>\n<p>NTechLab und Tevian stellen Software f\u00fcr das umfangreiche \u00f6ffentliche \u00dcberwachungssystem in Moskau bereit, das zu den gr\u00f6\u00dften weltweit z\u00e4hlt. Die Kameras scannen Gesichter und vergleichen sie mit Beobachtungslisten, um m\u00f6gliche \u00dcbereinstimmungen zu identifizieren. Die Recherchegruppe, bestehend aus The Bureau of Investigative Journalism (TBIJ), Follow the Money und Paper Trail Media in Zusammenarbeit mit dem Spiegel und dem ZDF, hat die Verbindungen in die Niederlande und die Schweiz aufgedeckt.<\/p>\n<p>Ein aktueller Vorfall, der die Bedeutung dieser \u00dcberwachungssysteme verdeutlicht, war die Beerdigung des Kreml-Kritikers Alexei Nawalny im M\u00e4rz. Insgesamt wurden im ganzen Land 649 Personen festgenommen, von denen mindestens 19 nach der Identifizierung durch die \u00dcberwachungskameras festgehalten wurden. Bereits im Jahr 2017 wurde bekannt gegeben, dass Bilder von rund 170.000 \u00dcberwachungskameras in Moskau mit Hilfe von Software zur biometrischen Gesichtserkennung analysiert werden sollen. Zu dieser Zeit war NTechLab bereits ein technologischer Partner der Stadtverwaltung und ist auch f\u00fcr die Entwicklung der beliebten App FindFace verantwortlich, die vor allem in sozialen Netzwerken weit verbreitet ist.<\/p>\n<p>Im Jahr 2020 gab das russische Innenministerium bekannt, dass das \u00dcberwachungsnetzwerk aus 178.000 Kameras in Moskau w\u00e4hrend der Covid-19-Beschr\u00e4nkungen rund 200 Verst\u00f6\u00dfe gegen die Quarant\u00e4ne festgestellt hat. Die Recherchegruppe TBIJ hat in YouTube-Videos zahlreiche Beispiele von Gig-Arbeitern entdeckt, die seit 2019 \u00fcber Toloka Aufgaben f\u00fcr NTechLab und Tevian erf\u00fcllt haben. Dabei ging es unter anderem um die Identifizierung oder Kategorisierung von Fotos von Personen mit afrikanischer, lateinamerikanischer und asiatischer Herkunft. Diese Ma\u00dfnahme zielt darauf ab, die Leistung der Erkennungssysteme bei spezifischen ethnischen Gruppen zu verbessern, bei denen sie bisher h\u00e4ufig versagen.<\/p>\n<p>Die von Tevian ver\u00f6ffentlichten Aufgaben konzentrierten sich vor allem auf die Erkennung der Vitalit\u00e4t des Gesichts. Diese Funktion ist ein integraler Bestandteil der entsprechenden Produkte und zielt darauf ab, zwischen echten Personen in Bildern oder Videos und Deepfakes zu unterscheiden. Die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen wird \u00fcber den Juli 2023 hinaus fortgesetzt.<\/p>\n<p>Ein Diplomat der Europ\u00e4ischen Union \u00e4u\u00dfert den Verdacht, dass m\u00f6glicherweise gegen die Regeln versto\u00dfen wurde, da es untersagt ist, sanktionierten Unternehmen Ressourcen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Zahlungen von einem Unternehmen, das von Sanktionen betroffen ist, sollten eingefroren werden, sobald sie in ein Bankensystem der Europ\u00e4ischen Union flie\u00dfen. Yandex, das unter anderem im Bereich der Suchmaschinen t\u00e4tig ist, hat auch finanzielle Unterst\u00fctzung von westlichen Banken und Verm\u00f6gensverwaltern wie UBS, JP Morgan Chase und Goldman Sachs erhalten. Im Unterschied zu drei seiner ehemaligen Manager steht Yandex selbst weder auf einer Sanktionsliste in der EU noch in den USA.<\/p>\n<p>Laut Toloka hatte NTechLab lediglich einen Vertrag mit dem russischen Unternehmen Toloka RU LLC. Gem\u00e4\u00df den Berichten wurde diese Firma jedoch zum fraglichen Zeitpunkt von einem niederl\u00e4ndischen Unternehmen besessen. Es wird vermutet, dass Yandex m\u00f6glicherweise Gesch\u00e4ftsbeziehungen zwischen dem zweiten Toloka-Ableger in der Schweiz und NTechLab genutzt hat, um m\u00f6glicherweise das Verbot zu umgehen. Bisher sind dem Softwarelieferanten in der Schweiz keine Sanktionen auferlegt worden.<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter: Toloka + NTechLab + Tevian<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russland setzt verst\u00e4rkt auf Crowd- und Clickworker, um die Effektivit\u00e4t seiner Video\u00fcberwachungssysteme zu steigern. Insbesondere in Moskau werden Softwareprogramme f\u00fcr automatisierte Gesichtserkennung trainiert. 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