{"id":7778,"date":"2024-05-16T15:41:17","date_gmt":"2024-05-16T15:41:17","guid":{"rendered":"https:\/\/byte-bucket.com\/2024\/05\/16\/der-digitalverein-d64-aeussert-bedenken-gegen-utiq\/"},"modified":"2024-05-16T15:41:17","modified_gmt":"2024-05-16T15:41:17","slug":"der-digitalverein-d64-aeussert-bedenken-gegen-utiq","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/byte-bucket.com\/?p=7778","title":{"rendered":"Der Digitalverein D64 \u00e4u\u00dfert Bedenken gegen Utiq."},"content":{"rendered":"<p>Der Digitalverein D64, der der SPD nahesteht, hat gro\u00dfe Bedenken gegen die Online-Werbeplattform Utiq (ehemals TrustPid) ge\u00e4u\u00dfert. Die Gr\u00fcnder Deutsche Telekom, Orange, Telefonica und Vodafone erhielten im Jahr 2023 von der EU-Kommission die Erlaubnis, das AdTech-Unternehmen zu betreiben. Die f\u00fchrenden europ\u00e4ischen Netzbetreiber haben das Ziel, Medien und Anzeigenkunden eine Alternative zu den US-Werbenetzwerken von Google und Meta anzubieten, die den EU-Datenschutzvorschriften entspricht.<\/p>\n<p>Allerdings \u00e4u\u00dfert D64 Kritik daran, dass Utiq die Daten von m\u00f6glicherweise mehreren Hundert Millionen Kunden der gro\u00dfen Telekommunikationsanbieter sammelt und nutzt. Die Mehrheit der Nutzer solcher Online-Dienste ist sich der m\u00f6glichen \u00dcberwachung im Big-Brother-Stil nicht bewusst. Aktuelle Tracking-Methoden wie Drittanbieter-Cookies werden immer h\u00e4ufiger von g\u00e4ngigen Browsern blockiert, und Google plant sogar, sie vollst\u00e4ndig auszusondern.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df der Analyse von D64 soll Utiq demnach die Verfolgung der Aktivit\u00e4ten von Nutzern und die Erfassung ihrer Vorlieben \u00fcber deren Smartphones \u00fcbernehmen und automatisch Werbebanner zum Verkauf anbieten. Die Autoren erkl\u00e4ren, dass dabei die IP-Adressen und Mobilfunknummern verwendet werden, um eine pseudonyme Kennung zu erstellen.<\/p>\n<p>Laut dem Papier beginnt der Prozess damit, dass die Webseite eines Utiq-Kunden, wie zum Beispiel einer Online-Zeitung, \u00fcber ein Handy ge\u00f6ffnet wird. Dort wird die Zustimmung der betroffenen Personen unabh\u00e4ngig von einem herk\u00f6mmlichen Cookie-Banner eingeholt. Wenn die Nutzer zustimmen, werden sie verfolgt. Bei sp\u00e4teren Besuchen der urspr\u00fcnglichen Webseite oder anderer Services, die Utiq verwenden, k\u00f6nnten sie anhand einer pseudonymen Kennung in Form eines Network Signals und weiteren darauf basierenden IDs erneut erkannt werden.<\/p>\n<p>Zu den derzeitigen 64 deutschen Medienpartnern von Utiq geh\u00f6ren namhafte Zeitungen wie die FAZ, die S\u00fcddeutsche Zeitung, das Handelsblatt, die Hamburger Morgenpost sowie Zeitungen der Ippen-Gruppe wie die Frankfurter Rundschau. Sie verfolgen die Strategie, Besucher mithilfe personalisierter Werbung anzusprechen.<\/p>\n<p>D64 begr\u00fc\u00dft die vertraglich festgelegte Standardisierung der Gestaltung und des Inhalts der Informationen, die in den Consent-Bannern angezeigt werden, sowie die Ablehnung von Dark Patterns, die Nutzer mit manipulativen Designtricks zur Einwilligung verleiten sollen. Au\u00dferdem besteht die M\u00f6glichkeit, \u00fcber einen Consent Hub allen Verarbeitungen durch Utiq zumindest f\u00fcr ein Jahr lang einfach und zug\u00e4nglich zu widersprechen. Die Verfasser sehen als Nachteil, dass ein zus\u00e4tzliches Zustimmungsbanner neben den herk\u00f6mmlichen Cookie-Schaltfl\u00e4chen voraussichtlich als l\u00e4stig empfunden wird. Dadurch sinkt die Bereitschaft der Nutzer, sich mit der Verarbeitung ihrer eigenen Daten auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus besteht die M\u00f6glichkeit und es ist wahrscheinlich, dass Kunden den Tracking-Dienst von Utiq mit anderen Tracking-Technologien kombinieren und somit die verwendeten Pseudonymisierungen und andere Datenschutzbestimmungen umgehen k\u00f6nnen. Im Ergebnis h\u00e4tten Nutzer durch Utiq weniger anstatt mehr Kontrolle \u00fcber die Nutzung ihrer pers\u00f6nlichen Informationen.<\/p>\n<p>D64 warnt vor erheblichen Missbrauchsrisiken, da der AdTech-Verbund eine umfangreiche Sammlung der Webseiten erstellt, die von den Benutzern in den letzten 90 Tagen besucht wurden. Sowohl Werbetreibende als auch b\u00f6swillige Akteure wie Cyberkriminelle und Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zeigen gro\u00dfes Interesse an dieser Datensammlung.<\/p>\n<p>Weiterhin wird erw\u00e4hnt, dass es m\u00f6glich ist, dass ein Dritter auf die bei Utiq und dem Telekommunikationsunternehmen gespeicherten Daten zugreifen kann, sei es durch einen unrechtm\u00e4\u00dfigen Angriff oder aufgrund einer beh\u00f6rdlichen Anordnung. In solchen F\u00e4llen kann das pseudonyme Network Signal den Anschlussinhabern zugeordnet werden.<\/p>\n<p>Die Datensammlung, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr Werbezwecke gedacht ist, w\u00fcrde es erm\u00f6glichen, Informationen \u00fcber die Internetaktivit\u00e4ten einer Person zu erhalten, mit deren Hilfe ein umfassendes Pers\u00f6nlichkeitsprofil mit intimen Details erstellt werden kann.<\/p>\n<p>Der Verein zieht als Schlussfolgerung, dass mit Utiq ein weiterer Service f\u00fcr die Werbeindustrie entsteht, der die Privatsph\u00e4re der Nutzer durch Tracking und Erstellung von Profilen gef\u00e4hrdet. Um den Schutz dieser Daten zu gew\u00e4hrleisten, w\u00e4re es stattdessen notwendig, dass sich echte Alternativen wie kontextbasierte Werbung im digitalen Raum etablieren.<\/p>\n<p>Nach Meinung von Kritikern hat sich die AdTech-Branche insgesamt zu einer Industrie mit einem Wert von 650 Milliarden US-Dollar entwickelt, die auch als unsichtbare Macht technische Standards festlegt. Das dezentrale \u00dcberwachungssystem verwandelt jede kleinste Bewegung der B\u00fcrger in eine vermarktbare Form.<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter: Utiq sammle + D64 + Google<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Digitalverein D64, der der SPD nahesteht, hat gro\u00dfe Bedenken gegen die Online-Werbeplattform Utiq (ehemals TrustPid) ge\u00e4u\u00dfert. Die Gr\u00fcnder Deutsche Telekom, Orange, Telefonica und Vodafone erhielten im Jahr 2023 von der EU-Kommission die Erlaubnis, das AdTech-Unternehmen zu betreiben. 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