{"id":8055,"date":"2024-05-27T16:34:11","date_gmt":"2024-05-27T16:34:11","guid":{"rendered":"https:\/\/byte-bucket.com\/2024\/05\/27\/amazon-auf-dem-weg-zur-smart-city-herausforderungen-und-widerstand\/"},"modified":"2024-05-27T16:34:11","modified_gmt":"2024-05-27T16:34:11","slug":"amazon-auf-dem-weg-zur-smart-city-herausforderungen-und-widerstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/byte-bucket.com\/?p=8055","title":{"rendered":"Amazon auf dem Weg zur Smart City: Herausforderungen und Widerstand"},"content":{"rendered":"<p>IT-Konzerne wie IBM, Google, Huawei und Tesla sind seit langem bem\u00fcht, St\u00e4dte in Smart Cities zu transformieren und ihre Online-Dienste nahtlos zu integrieren. Der Erfolg dieser Bem\u00fchungen variiert jedoch. Maja-Lee Voigt, Stadtforscherin an der Leuphana-Universit\u00e4t L\u00fcneburg, erl\u00e4uterte k\u00fcrzlich auf der Digitalkonferenz re:publica in Berlin, dass auch Amazon zunehmend diese Strategie verfolgt.<\/p>\n<p>Das Ziel von Amazon besteht letztendlich darin, \u00f6ffentliche Infrastrukturen zu privatisieren und sie vollst\u00e4ndig von Amazon-Services abh\u00e4ngig zu machen. Dieses Modell dient auch der Entwicklung einer Vorstellung f\u00fcr unsere gemeinsame Zukunft. Die Politik gew\u00e4hrt dem US-Konzern oft Freiheiten oder ermutigt sogar sein Engagement angesichts begrenzter \u00f6ffentlicher Finanzmittel. Dabei agiert Amazon ohne demokratische Legitimation und verfolgt letztendlich bedenkliche Pl\u00e4ne zum Schaden der Allgemeinheit, einschlie\u00dflich des Missbrauchs \u00f6ffentlicher Ressourcen.<\/p>\n<p>Amazon hat sich in den letzten 30 Jahren zu weit mehr als nur einem virtuellen Warenhaus entwickelt, wie es oft in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung dargestellt wird. Der Konzern ist zu einem Giganten in der Cloud-Branche und dem gr\u00f6\u00dften Hyperscaler geworden. Er ist aktiv in Bereichen wie AWS, Verlagswesen, Streaming und Video-Markt sowie Sicherheit, Gesundheit und Raumfahrt. Insbesondere im letztgenannten Bereich verfolgt Gr\u00fcnder Jeff Bezos mit Blue Origin eine Art Star-Trek-Ideologie. Mit einer Marktbewertung von knapp 2 Billionen US-Dollar hat Amazon eine beeindruckende Gr\u00f6\u00dfe erreicht. Im Jahr 2019 waren bereits etwa 63 Prozent der Bev\u00f6lkerung hierzulande Mitglieder von Amazon Prime.<\/p>\n<p>Der weiterhin zentrale Lieferdienst wird kontinuierlich erweitert und ist beispielsweise in l\u00e4ndlichen Gebieten Kanadas zuverl\u00e4ssiger als die traditionelle Post. Zus\u00e4tzlich dazu betreibt Amazon in den USA einen erheblichen Teil der Cloud-Infrastruktur f\u00fcr das Milit\u00e4r.<\/p>\n<p>Big-Tech-Konzerne wie Amazon sind zu unseren Nachbarn geworden und haben Einfluss auf das Design und die Architektur unserer St\u00e4dte. Sie verbinden ihre Programmierung mit der physischen Struktur der Stadt. Amazon nutzt dabei Produkte wie die Assistenz von Alexa, den Roboter-Staubsauger Roomba und die intelligente T\u00fcrklingel Ring als \u00dcberwachungsinstrumente, die sehen und h\u00f6ren k\u00f6nnen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die hohe Bequemlichkeit, die die Dienste des E-Commerce-Giganten bieten. In der Stadt von Amazon weckt beispielsweise der Lautsprecher Echo die Bewohner, w\u00e4hrend Alexa den Schlaf analysiert und man mit Uber an Robotern und Lagerh\u00e4usern vorbeif\u00e4hrt, um zur Arbeit zu gelangen. Im B\u00fcro melden sich die Angestellten in AWS-Diensten an, w\u00e4hrend sie auf dem Nachhauseweg ein Paket aus einem Amazon-Schlie\u00dffach mitnehmen, um es in ihrem Tiny House des Unternehmens zu \u00f6ffnen. Dort erwartet sie bereits eine Playlist und Videos, die zur Stimmung passen. Der K\u00fchlschrank stellt eigenst\u00e4ndig sicher, dass der zugeh\u00f6rige Lieferservice rechtzeitig Nachschub liefert.<\/p>\n<p>Laut Voigt \u00f6ffnet sich Amazon immer mehr dem privaten und gesch\u00e4ftlichen Leben. Mit zunehmender Extraktion pers\u00f6nlicher und \u00f6ffentlicher Daten durch das Unternehmen k\u00f6nnen auch immer mehr Informationen in Verkaufsprognosen einflie\u00dfen und als Grundlage f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Produktion von Waren und Dienstleistungen dienen. Amazon zieht einen enormen Nutzen daraus, da es L\u00f6sungen f\u00fcr nahezu jeden Bereich bereitstellt. Es bleibt jedoch v\u00f6llig unklar, wer die Entscheidungen \u00fcber die Services trifft, wer sie programmiert und wer sie repr\u00e4sentiert. Das gesamte System, einschlie\u00dflich der treibenden Algorithmen, ist f\u00fcr externe Beobachter eine Blackbox.<\/p>\n<p>Jahrelang sorgte das Waterfront-Prestigeprojekt von Sidewalk Labs, einer Tochtergesellschaft von Google, f\u00fcr Schlagzeilen in Toronto, doch letztendlich war es nicht erfolgreich. Der Grund daf\u00fcr soll auch gewesen sein, dass die Bed\u00fcrfnisse der Menschen vor Ort nicht im Fokus standen. Laut Voigt setzt Amazon derzeit seine Pl\u00e4ne in die Tat um und errichtet beispielsweise in Arlington, Virginia, ein neues Hauptquartier mit Fokus auf Smart City. Dies umfasst den Zugang zu Metro- und Stra\u00dfenverbindungen in die nahe gelegene Stadt Washington DC sowie kontrollierte Wohnviertel und Parks. Der Fokus liegt dabei auf einer einheitlichen, vorwiegend wei\u00dfen Gemeinschaft, in der idealerweise auch viele Menschen bei Amazon besch\u00e4ftigt sind. Der Konzern mischt sich auch in die Politik ein, obwohl diese l\u00e4ngst von ihm abh\u00e4ngig ist und keine Exit-Strategie hat. In Berlin-Friedrichshain wurde ebenfalls eine neue Konzernzentrale, der umstrittene Amazon-Tower, errichtet. Dar\u00fcber hinaus hat das Unternehmen k\u00fcrzlich angek\u00fcndigt, 7,8 Milliarden Euro in der N\u00e4he von Brandenburg f\u00fcr den Aufbau einer unabh\u00e4ngigen AWS-Cloud zu investieren. Im M\u00e4rz er\u00f6ffnete Amazon in Nordrhein-Westfalen seinen ersten europ\u00e4ischen Disaster Relief Hub, der es Partnerorganisationen erm\u00f6glichen soll, Krisengebiete schneller mit Hilfsg\u00fctern zu versorgen.<\/p>\n<p>Voigt, Mitbegr\u00fcnderin der interdisziplin\u00e4ren Forschungsgruppe Akteurinnen f\u00fcr urbanen Ungehorsam, ist sich bewusst, dass Widerstand gegen die Expansionspl\u00e4ne von Amazon entsteht. Dieser Widerstand wird durch Gespr\u00e4che mit Angestellten, eigene Beobachtungen und die Teilnahme an Konferenzen gen\u00e4hrt, um Fehler in der Amazon-Matrix aufzudecken. Das Team profitiert von der Tatsache, dass das Unternehmen eine r\u00fccksichtslose Haltung gegen\u00fcber seinen Mitarbeitern einnimmt, was beispielsweise durch die Zerst\u00f6rung eines Lagers durch einen Tornado oder den fortw\u00e4hrenden Kampf gegen Gewerkschaften deutlich wurde. Die Mitarbeiter dienen daher nicht nur als wertvolle Informationsquelle, sondern machen auch durch Bummelstreiks und den intensiven Austausch \u00fcber Online-Dienste auf inhumanen Arbeitsbedingungen aufmerksam.<\/p>\n<p>Voigt appelliert an Hacktivisten, die Smart-City-Konzepte infiltrieren, um die st\u00e4dtebaulichen Ideen Amazons kritischer zu betrachten und an der Entwicklung des Codes teilzunehmen. Es ist dringend erforderlich, dass Konzepte zur F\u00f6rderung von Diversit\u00e4t eingef\u00fchrt werden, auch wenn dies eine Herausforderung darstellt, da nicht jeder \u00fcber Fachkenntnisse in Stadtplanung verf\u00fcgt. Ebenso wichtig ist daher die Regulierung durch technikaffine Politiker und die Entwicklung leistungsstarker Open-Source-Architekturen, um die Entstehung und Dominanz von Monopolen zu verhindern.<\/p>\n<p>Es ist nicht erforderlich, dass jeder sein Prime-Abonnement sofort k\u00fcndigt, jedoch sollte man sich bewusst sein, welche Verbindungen damit einhergehen. Es existieren derzeit noch alternative Betriebssysteme, Apps und Streaming-Dienste, die genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter: Maja-Lee Voigt + Amazon Town + Amazon<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>IT-Konzerne wie IBM, Google, Huawei und Tesla sind seit langem bem\u00fcht, St\u00e4dte in Smart Cities zu transformieren und ihre Online-Dienste nahtlos zu integrieren. Der Erfolg dieser Bem\u00fchungen variiert jedoch. 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