{"id":8493,"date":"2024-06-10T15:00:57","date_gmt":"2024-06-10T15:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/byte-bucket.com\/2024\/06\/10\/eu-polizei-und-justiz-fordern-verstaerkte-ueberwachung-von-verschluesselten-chat-diensten-wie-whatsapp-und-signal\/"},"modified":"2024-06-10T15:00:57","modified_gmt":"2024-06-10T15:00:57","slug":"eu-polizei-und-justiz-fordern-verstaerkte-ueberwachung-von-verschluesselten-chat-diensten-wie-whatsapp-und-signal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/byte-bucket.com\/?p=8493","title":{"rendered":"EU-Polizei und Justiz fordern verst\u00e4rkte \u00dcberwachung von verschl\u00fcsselten Chat-Diensten wie WhatsApp und Signal"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder geraten EU-Polizei- und Justizbeh\u00f6rden in den sogenannten Crypto Wars unter Druck. Der Streit dreht sich um die zunehmende Verwendung von Verschl\u00fcsselung bei Chat-Diensten wie WhatsApp, iMessage, Facebook Messenger oder Signal. Die Beh\u00f6rden argumentieren, dass diese Verschl\u00fcsselung sie praktisch blind und taub macht und fordern deshalb neue Verfahren zur Umgehung der Verschl\u00fcsselung.<\/p>\n<p>Der EU Innovation Hub f\u00fcr innere Sicherheit hat nun eine ausf\u00fchrliche Diskussion \u00fcber die Nutzung von Verfahren wie dem Client-Side-Scanning (CSS) gefordert. Dabei handelt es sich um die Durchsuchung und Extraktion privater Kommunikation direkt auf den Endger\u00e4ten der Benutzer, wie zum Beispiel Smartphones. Es ist wichtig, solche Techniken einer gr\u00fcndlichen \u00dcberpr\u00fcfung zu unterziehen.<\/p>\n<p>Der Aufruf ist Teil des ersten Berichts des Innovation Centers for Encryption, den Europol am Montag ver\u00f6ffentlicht hat. Neben Europol sind im Hub auch Eurojust, EU-Lisa, der EU-Koordinator f\u00fcr Terrorismusbek\u00e4mpfung sowie die Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission und deren Generaldirektorat f\u00fcr Inneres vertreten.<\/p>\n<p>Laut dem Bericht hat sich die Debatte in den letzten Jahren von einem Konflikt zwischen individuellem Datenschutz und kollektiver Sicherheit und Integrit\u00e4t zu einer konstruktiveren Diskussion entwickelt. Es gibt jedoch noch einige Herausforderungen zu bew\u00e4ltigen. Eine erfolgreiche L\u00f6sung besteht darin, den Dialog, die Zusammenarbeit und die Innovation zu f\u00f6rdern, um sicherzustellen, dass sowohl die individuellen Rechte als auch die Notwendigkeit rechtm\u00e4\u00dfiger \u00dcberwachung respektiert werden.<\/p>\n<p>Technische Experten sind der Meinung, dass ein bisschen Verschl\u00fcsselung genauso unm\u00f6glich ist wie ein bisschen schwanger zu sein. In den meisten EU-Mitgliedstaaten gibt es allgemeine gesetzliche Bestimmungen, die den Zugriff auf verschl\u00fcsselte Informationen erm\u00f6glichen, erkl\u00e4ren Europol und andere Beh\u00f6rden. Einige L\u00e4nder haben sogar k\u00fcrzlich \u00c4nderungen an ihren nationalen Gesetzen vorgenommen, um die Umgehung der Verschl\u00fcsselung zu erleichtern. Dadurch ergeben sich potenziell zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten, auch verschl\u00fcsselte Daten zu erfassen und zu nutzen.<\/p>\n<p>Fortgeschrittene Suchfunktionen und Instrumente f\u00fcr gezielten, rechtm\u00e4\u00dfigen Zugriff k\u00f6nnten von Vorteil sein, um verschl\u00fcsselte Daten zu erfassen. Die Experten f\u00fcr innere Sicherheit begr\u00fc\u00dfen das k\u00fcrzlich verabschiedete EU-Dossier zu elektronischen Beweismitteln (E-Evidence) als einen Schritt in die richtige Richtung, um den Zugang zu digitalen Informationen bei grenz\u00fcberschreitenden strafrechtlichen Ermittlungen, insbesondere im Hinblick auf die Cloud, zu erm\u00f6glichen. Obwohl die entsprechende Verordnung keine Vorschrift enth\u00e4lt, dass Dienstanbieter Daten im Klartext bereitstellen m\u00fcssen, k\u00f6nnte sich die erwartete schnellere \u00dcbermittlung angeforderter Informationen als vorteilhaft erweisen. Dies gilt insbesondere angesichts der Unterschiede bei den Datenaufbewahrungsfristen in den EU-L\u00e4ndern, die in einigen F\u00e4llen ungew\u00f6hnlich kurz sind und potenziell problematisch sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Selbst die Urteile des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs, die sich mit unterwanderten verschl\u00fcsselten Kommunikationsdiensten wie Encrochat befassen, scheinen die Strafverfolger zu unterst\u00fctzen. CSS hat eine bedeutende Rolle im Kontext der Kontroverse um die geplante Chatkontrolle.<\/p>\n<p>Letzte Woche mobilisierten zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen, Cybersicherheitsexperten und IT-Firmen in einer Petition, die von der Global Encryption Coalition ins Leben gerufen wurde. Sie \u00e4u\u00dferten ihre Bedenken angesichts des j\u00fcngsten Kompromissvorschlags der belgischen EU-Ratspr\u00e4sidentschaft zur \u00dcberwachung von Chats. Die Sicherheits- und Rechtsbedenken, die von Experten in Bezug auf Client-Side-Scanning ge\u00e4u\u00dfert wurden, bleiben bestehen. Dadurch kann das Problem der Online-Verbreitung von Material mit sexuellem Kindesmissbrauch nicht behoben werden. Stattdessen entstehen bedeutende Sicherheitsbedenken f\u00fcr s\u00e4mtliche B\u00fcrger, Unternehmen und Regierungen.<\/p>\n<p>Laut dem Bericht gibt es auch Probleme mit dem Home Routing in 4G- und 5G-Netzen, was bedeutet, dass die Kommunikationsdienste von den Netzbetreibern zentralisiert werden. Dadurch w\u00e4re es nicht mehr so einfach m\u00f6glich, Personen innerhalb nationaler Grenzen abzuh\u00f6ren, die eine ausl\u00e4ndische SIM-Karte verwenden. Dies kann nur erreicht werden, wenn der ausl\u00e4ndische Dienstanbieter mit dem inl\u00e4ndischen Anbieter zusammenarbeitet. Von einer technischen Perspektive aus betrachtet, ist es daher notwendig, weitere Forschung zu betreiben, um eine L\u00f6sung zu finden, die sowohl den Datenzugriffsanforderungen der Ermittler gerecht wird als auch hier eine L\u00f6sung bietet. In der Zwischenzeit sollte gefordert werden, dass datenschutzf\u00f6rdernde Technologien beim Home Routing abgeschaltet werden.<\/p>\n<p>Die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden ben\u00f6tigen zudem einen rechtlichen Rahmen f\u00fcr den Einsatz von \u00dcberwachungstechnologien zur Benutzeridentifizierung, wie zum Beispiel sogenannte SUPI-Catcher, in den Mobilfunknetzen der n\u00e4chsten Generation (5 und 6G).<\/p>\n<p>In den letzten Tagen wurde bereits bekannt, dass die kontroverse EU-Hochrangige Gruppe f\u00fcr den Datenzugang eine Integration des Zugangs zu unverschl\u00fcsselten Kommunikationsdaten direkt in die Technologie fordert, unter dem Grundsatz des Lawful Access by Design. Fr\u00fcher setzte sich insbesondere die belgische Polizei daf\u00fcr ein, in Echtzeit auf unverschl\u00fcsselte Datenstr\u00f6me von WhatsApp &#038; Co. zugreifen zu k\u00f6nnen. Bereits im April dr\u00e4ngten die europ\u00e4ischen Polizeichefs, einschlie\u00dflich Europol, die Regierungen und die Digitalbranche nachdr\u00fccklich, dringende Ma\u00dfnahmen gegen die Verwendung von Ende-zu-Ende-Verschl\u00fcsselung zu ergreifen.<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter: Europol + WhatsApp + EU<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder geraten EU-Polizei- und Justizbeh\u00f6rden in den sogenannten Crypto Wars unter Druck. Der Streit dreht sich um die zunehmende Verwendung von Verschl\u00fcsselung bei Chat-Diensten wie WhatsApp, iMessage, Facebook Messenger oder Signal. 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