{"id":9603,"date":"2024-07-17T07:39:12","date_gmt":"2024-07-17T07:39:12","guid":{"rendered":"https:\/\/byte-bucket.com\/2024\/07\/17\/innsbrucker-forscher-machen-licht-in-den-dunklen-genregionen\/"},"modified":"2024-07-17T07:39:12","modified_gmt":"2024-07-17T07:39:12","slug":"innsbrucker-forscher-machen-licht-in-den-dunklen-genregionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/byte-bucket.com\/?p=9603","title":{"rendered":"Innsbrucker Forscher machen Licht in den dunklen Genregionen"},"content":{"rendered":"<p>Ein Team von Forschern aus Tirol hat einen bedeutenden Durchbruch in der Erforschung des menschlichen Erbguts erzielt. Trotz der Ver\u00f6ffentlichung der menschlichen Genomsequenz im Jahr 2001 ist die genetische Vielfalt des Menschen noch nicht vollst\u00e4ndig erforscht. Besonders die dunklen Genregionen, deren Funktion und Bedeutung bisher unbekannt waren, stellen eine Herausforderung dar.<\/p>\n<p>Aber zum Gl\u00fcck gibt es da das Forscherteam des Instituts f\u00fcr Genetische Epidemiologie der Medizinischen Universit\u00e4t Innsbruck, die nun eine innovative Berechnungsmethode entwickelt haben, um diese dunklen Genregionen sichtbar zu machen. Ein bisschen wie Taschenlampe spielen im Dunkeln, nur mit Genen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ihrer Arbeit an dieser Methode haben die Forscher \u00fcber 300 Variationen im LPA-Gen entdeckt. Das LPA-Gen spielt eine entscheidende Rolle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und geh\u00f6rt zu den wichtigsten Genen in diesem Bereich. Das ist ein ziemlicher Durchbruch, wenn man bedenkt, dass es immerhin um das Herz geht. Die Ergebnisse dieser bahnbrechenden Forschungsarbeit wurden in der renommierten Fachzeitschrift Genome Biology ver\u00f6ffentlicht. Wer h\u00e4tte gedacht, dass Genforschung so spannend sein kann?<\/p>\n<p>Um ihre Berechnungsmethode zu validieren, haben die Forscher genetische Daten von etwa 500.000 Studienteilnehmern analysiert. Das sind eine ganze Menge Daten, die in der UK Biobank gespeichert sind. Die Sequenzierung des gesamten menschlichen Genoms war vor etwa 20 Jahren ein revolution\u00e4rer Durchbruch in der Genomforschung und f\u00fchrte zur Entstehung umfangreicher Datensammlungen. Allerdings k\u00f6nnen nicht alle Daten vollst\u00e4ndig entschl\u00fcsselt und interpretiert werden, insbesondere in den dunklen Genregionen, die bisher unerforscht sind.<\/p>\n<p>Die Erforschung dieser unbekannten Genregionen ist von gro\u00dfer Bedeutung, da sie einen ma\u00dfgeblichen Einfluss auf die Vererbung von Eigenschaften und Krankheiten haben k\u00f6nnen. Da w\u00e4re es nat\u00fcrlich sch\u00f6n, wenn wir da ein bisschen mehr Klarheit h\u00e4tten. Das dachten sich wohl auch die Forscher aus Innsbruck und haben erfolgreich Klarheit in Bezug auf VNTRs (Variable Number Tandem Repeats) gebracht, eine spezifische Kategorie von unerforschten Genregionen.<\/p>\n<p>Wie haben sie das gemacht? Mit einer interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit und einem Algorithmus, der genetische Variationen in VNTRs sichtbar macht. Klingt kompliziert, ist es auch. Aber hey, sie haben es geschafft und dieser Algorithmus kann nun von Medizinern und Forschern heruntergeladen und genutzt werden. Ein kleiner Schritt f\u00fcr die Wissenschaft, ein gro\u00dfer Schritt f\u00fcr die Genforschung.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungen zufolge gibt es rund 3.800 unbekannte Bereiche in Genen, die f\u00fcr die Proteinsynthese verantwortlich sind. Etwa 300 dieser Gene haben eine medizinische Bedeutung, beispielsweise im Zusammenhang mit Alzheimer oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das sind ziemlich viele unbekannte Bereiche, die nun erforscht werden k\u00f6nnen. Vielleicht finden die Forscher ja noch den &#8222;Schalter&#8220; f\u00fcr ewige Jugend. Ein bisschen Optimismus schadet ja nicht.<\/p>\n<p>Die Forschungsarbeit konzentrierte sich zun\u00e4chst auf das LPA-Gen, um die Funktionsweise der Berechnungsmethode zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dabei wurden mehr als 300 Variationen im LPA-Gen identifiziert, was neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Bewertung von Risiken und Therapien er\u00f6ffnet. Insbesondere der Lp(a)-Wert (Lipoprotein(a)) gilt als entscheidender genetischer Risikofaktor f\u00fcr Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das LPA-Gen steuert seine Funktion. Bisher war es jedoch nicht m\u00f6glich, eine bestimmte Sequenz im LPA-Gen, die als KIV-2 bezeichnet wird, vollst\u00e4ndig zu entschl\u00fcsseln. Aber die Forscher aus Innsbruck haben ihre Berechnungsmethode auf die KIV-2-Daten von 200.000 Probanden der UK Biobank angewendet und dabei etwa 300 Variationen identifiziert. Das ist doch mal ein Erfolg!<\/p>\n<p>Die Entdeckung dieser genetischen Variationen er\u00f6ffnet zahlreiche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Forschung. Einige der identifizierten Varianten stehen in Verbindung mit der Konzentration von Lp(a), was potenzielle Ansatzpunkte f\u00fcr therapeutische Eingriffe zur Senkung des Lp(a)-Werts darstellt. Die gewonnenen Erkenntnisse k\u00f6nnten auch bei der Entwicklung von Risikoscores genutzt werden, um das individuelle Erkrankungsrisiko zu bestimmen. Das klingt doch schon mal vielversprechend.<\/p>\n<p>Die Forscher haben nicht nur das LPA-Gen untersucht, sondern auch VNTRs in f\u00fcnf weiteren medizinisch bedeutenden Genen, die eine \u00e4hnliche Struktur wie das LPA-Gen aufweisen. Da haben sie sich aber ganz sch\u00f6n viel vorgenommen. Aber sie haben es geschafft und dabei gezeigt, dass ihre Berechnungsmethode auch auf andere VNTRs angewendet werden kann, um neue genetische Variationen zu identifizieren. Das er\u00f6ffnet noch mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Genforschung.<\/p>\n<p>Die Entwicklung dieser Berechnungsmethode hat viele Jahre intensiver Forschung erfordert. Aber die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit und das breite Fachwissen am Institut f\u00fcr Genetische Epidemiologie der Medizinischen Universit\u00e4t Innsbruck haben zu diesem Erfolg beigetragen. Das Institut genie\u00dft international einen hervorragenden Ruf und gilt als eine der f\u00fchrenden Einrichtungen weltweit in der Erforschung des Lp(a)-Gens. Da k\u00f6nnen die Forscher echt stolz drauf sein.<\/p>\n<p>Besonders Direktor Florian Kronenberg wird f\u00fcr seinen ma\u00dfgeblichen Beitrag zur Genomforschung und seine zahlreichen Auszeichnungen und Preise geehrt. Im Juni 2024 erhielt er die lebenslange Ehrenmitgliedschaft von der renommierten National Lipid Association (NLA) in den USA, was seine Bedeutung f\u00fcr das Fachgebiet unterstreicht. Herzlichen Gl\u00fcckwunsch!<\/p>\n<p>Die Entschl\u00fcsselung der dunklen Genregionen und die Identifizierung genetischer Variationen in VNTRs sind ein bedeutender Fortschritt in der Genomforschung. Die gewonnenen Erkenntnisse k\u00f6nnen dazu beitragen, die individuelle Risikobewertung von Krankheiten zu verbessern und neue therapeutische Ans\u00e4tze zu entwickeln. Die Berechnungsmethode erm\u00f6glicht es Forschern, bereits vorhandene Datens\u00e4tze zu analysieren und neue Erkenntnisse zu gewinnen, ohne zus\u00e4tzliche Sequenzierungen durchf\u00fchren zu m\u00fcssen. Das ist ziemlich praktisch.<\/p>\n<p>Das Projekt des Instituts f\u00fcr Genetische Epidemiologie der Medizinischen Universit\u00e4t Innsbruck z\u00e4hlt zu den gr\u00f6\u00dften internen Vorhaben der vergangenen Jahre und hat das Potenzial, die Genomforschung weiter voranzutreiben. Wer wei\u00df, vielleicht finden die Forscher ja noch den Schl\u00fcssel zum ewigen Leben. Oder zumindest zu einem ges\u00fcnderen Leben. Wir dr\u00fccken ihnen die Daumen!<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter: Innsbruck + Florian Kronenberg + Dark Regions<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Team von Forschern aus Tirol hat einen bedeutenden Durchbruch in der Erforschung des menschlichen Erbguts erzielt. Trotz der Ver\u00f6ffentlichung der menschlichen Genomsequenz im Jahr 2001 ist die genetische Vielfalt des Menschen noch nicht vollst\u00e4ndig erforscht. 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