WhatsApp wird gemäß dem Digital Markets Act (DMA) der EU in Zukunft dazu verpflichtet sein, die Option anzubieten, mit anderen Messenger-Diensten zu kommunizieren. Der DMA zielt darauf ab, die Dominanz großer digitaler Dienstleister zu regulieren und fairere Marktbedingungen sowie effektiven Wettbewerb sicherzustellen. Bisher war es großen Plattformbetreibern wie Facebook oder Amazon erlaubt, kleinere Anbieter von ihren eigenen Angeboten auszuschließen – dies wird nun untersagt.
Gemäß den neuen Vorschriften müssen große Plattformen technisch so gestaltet sein, dass andere Unternehmen ihre Dienste mit den Plattformen verbinden können. Dies wird als Interoperabilität bezeichnet. Im Fall von Messenger-Diensten bedeutet dies, dass Nachrichten zwischen WhatsApp und anderen Messengern ausgetauscht werden können. Wenn die Interoperabilität konsequent umgesetzt wird, hätten Nutzer eine echte Wahlfreiheit bei den Messenger-Diensten und wären nicht länger darauf angewiesen, den Messenger zu verwenden, den die meisten ihrer Kontakte nutzen. Ein beliebiger Messenger-Dienst würde ausreichen, um Nachrichten an alle Kontakte zu senden und von ihnen zu empfangen.
Allerdings gilt die Verpflichtung, einen Messenger-Dienst für diese Zwecke zu öffnen, aktuell nur für Unternehmen, die von der Europäischen Kommission als Gatekeeper eingestuft wurden. Gatekeeper sind Firmen, die einen erheblichen Einfluss auf den Markt haben, da ihre Angebote von einer großen Anzahl von Verbrauchern genutzt werden. Sowohl der Facebook Messenger als auch WhatsApp wurden im September 2023 von der Kommission als Gatekeeper klassifiziert.
Gemäß der Klassifizierung haben die Unternehmen sechs Monate Zeit, um die Anforderungen des DMA umzusetzen. Ursprünglich war geplant, dass Meta im März 2024 ein Update für WhatsApp veröffentlicht, um die App technisch zu öffnen. Aktuell ist diese Funktion jedoch noch nicht verfügbar. WhatsApp hat jedoch angekündigt, eine Beta-Version der App zu veröffentlichen, um die entsprechende Funktion zu testen. Es ist geplant, dass Nachrichten von anderen Messengern in einem separaten Postfach landen und von dort aus abgerufen werden können. Genauere Informationen liegen derzeit noch nicht vor.
Verbraucher müssen sich also noch gedulden, bis WhatsApp tatsächlich die Interoperabilität erreicht. Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, dass außer dem Facebook Messenger und WhatsApp kein anderer Anbieter eines Messenger-Dienstes als Gatekeeper anerkannt wurde. Daher besteht keine Verpflichtung für andere Anbieter, ihre Apps zu öffnen. Threema und Signal sind unter den Messenger-Diensten, die bereits angekündigt haben, keine Verbindung zu WhatsApp herstellen zu wollen. Diese Dienste legen besonderen Wert auf den Schutz der Privatsphäre und haben Bedenken, dass WhatsApp nicht das gleiche hohe Schutzniveau wie ihre eigenen Dienste gewährleisten kann.
Denn sobald Nachrichten von anderen Anbietern an WhatsApp übertragen werden, liegt es in der Verantwortung von WhatsApp, den Schutz dieser Nachrichten gemäß ihren eigenen Datenschutzstandards zu gewährleisten. Die aktualisierten Datenschutzrichtlinien von WhatsApp, die seit dem 11. April 2024 in Kraft sind, lassen Bedenken aufkommen: Wenn WhatsApp-Nutzer Nachrichten an Drittanbieter-Apps senden oder von ihnen erhalten, erfasst WhatsApp auch Daten von Personen, die selbst keine WhatsApp-Nutzer sind.
Es ist noch unklar, ob und wann andere Messenger-Dienste tatsächlich die Möglichkeit haben werden, mit WhatsApp zu kommunizieren. WhatsApp ist jedoch verpflichtet, diese Möglichkeit zeitnah zu schaffen.
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