Künstliche Intelligenz und Neurodiversität: Eine kunterbunte Verbindung mit großem Potenzial

Stellen wir uns vor, Andr Frank Zimpel, ein Synästhetiker und Psychologe, trifft auf eine graue 60, die er durch 4 teilen möchte. Dabei entstehen eine hellgrüne 40 und eine goldene 20. Die 40 zerfällt in eine nahezu durchsichtige 10, während die goldene 20 zu einer blauen 5 wird. Das Ergebnis? Eine hellblaue 15. Klingt nach einem ziemlich kunterbunten Matheproblem, oder? Aber was hat das mit Künstlicher Intelligenz (KI) und Neurodiversität zu tun?

Nun, auf der diesjährigen re:publica Konferenz hielt Zimpel einen Vortrag über genau dieses Thema. Er beleuchtete zwei wichtige Aspekte: Zum einen die Chance, die KI neurodivergenten Menschen bietet, und zum anderen die unverzichtbare Rolle neurodivergenter Menschen bei der Entwicklung von KI.

In unserer Gesellschaft wird Intelligenz oft hoch geschätzt. In anderen Kulturen spielen jedoch andere Werte eine große Rolle, wie zum Beispiel Ehre. Wenn man jemanden beleidigen möchte, verunglimpft man dort oft dessen Mutter. In unserer Kultur würde man diese Person vielleicht einfach einen Dummkopf nennen. In solchen Situationen kann KI ein gewisses Unbehagen hervorrufen, da man sich leicht gekränkt fühlen kann, wenn sie klüger ist als man selbst. Aber vielleicht sollten wir unsere Sichtweise ändern und uns fragen, ob wir von KI beleidigt werden sollten oder von ihr lernen können.

Ein Beispiel für KI, das uns zum Schmunzeln bringt, ist ChatGPT, ein KI-Modell, das bei einem IQ-Test besser abgeschnitten hat als 99,9% der menschlichen Teilnehmer. Aber es gab auch einige amüsante Fehler und das logische Denken funktionierte nicht immer reibungslos. Ein klinischer Psychologe berichtete von einer ähnlichen Erfahrung, als er versuchte, einen Rap zu schreiben. Es dauerte Monate, bis er damit zufrieden war. Doch dann zeigte ihm seine Tochter eine App, mit der er das in kürzester Zeit hätte erledigen können. Ein wenig beleidigend, aber dennoch erkannte er den Nutzen von KI.

Die Neurodiversität umfasst verschiedene Bedingungen wie Autismus-Spektrum-Störung, AD(H)S, Dyskalkulie, Legasthenie, Dyspraxie, Epilepsie und das Tourette-Syndrom. Menschen mit Neurodivergenz denken, fühlen und handeln anders als die gesellschaftliche Norm. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie geistig nicht gesund sind. Im Gegenteil, einige ihrer Fähigkeiten können im Alltag sogar entscheidend sein. Hier kann KI unterstützend wirken.

Zimpel präsentierte zahlreiche Beispiele, die diese Unterstützung verdeutlichen. Zum Beispiel gibt es Rechtschreibkorrektur-Tools, die speziell für Menschen mit Legasthenie entwickelt wurden. Auch Menschen im Autismus-Spektrum können von KI profitieren. Ihre Wahrnehmung ist oft so umfangreich, dass sie nicht bemerken, dass Worte, die für uns gleich klingen, bei zweifacher Aussprache leicht unterschiedlich sind. Für die meisten Menschen stellt dies keine Schwierigkeit dar, aber für autistische Kinder kann dies eine große Herausforderung sein. Durch den Einsatz von Technologien, bei denen ein Computer das Wort stets gleich ausspricht, könnte dieses Problem gelöst werden.

Aber KI verwendet bei der Verarbeitung von Informationen oft einen Durchschnitt. Und das Durchschnittliche kann ein erhebliches Problem darstellen, wie Zimpel erklärt. Hier kommen neurodivergente Menschen ins Spiel. Sie können sich von der Norm distanzieren und neue Perspektiven und Lösungen bieten. Sie sind unverzichtbar für die Weiterentwicklung von KI.

Es wurde beobachtet, dass die KI-Entwicklung in den USA ohne die Beteiligung von neurodivergenten Personen nicht vorankommt. Ähnliches wurde auch in Europa festgestellt, insbesondere in Städten mit einer starken IT-Branche. Hier finden sich doppelt so viele Kinder im Autismus-Spektrum im Vergleich zu anderen Gebieten. Vermutlich gilt dies auch für ihre Eltern, die in der IT-Branche tätig sind.

Die Neurodiversitätsbewegung hat sich seit 2011 an der Syracuse University formiert. Hier kommen Menschen mit verschiedenen Formen von Neurodivergenz zusammen. Zimpel hofft, dass diese Bewegung eine ähnliche Wirkung erzielen kann wie die Slogans „Black is beautiful“, „Gay is good“ und „Sisterhood is powerful“ in den 1960er- und 70er-Jahren. Ihr Beitrag könnte dazu führen, dass sich unsere Gesellschaft verbessert und mehr Verständnis für Neurodiversität entwickelt.

Also, lasst uns die Chance nutzen, die KI uns bietet, um neurodivergenten Menschen zu helfen und von ihnen zu lernen. Die Zukunft der KI liegt auch in den Händen derjenigen, die anders denken und fühlen. Zusammen können wir eine buntere und vielfältigere Welt schaffen.

Schlagwörter: André Frank Zimpel + KI + Hamburg

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  • 29. Mai 2024