Der chinesische Mini-PC- und Notebook-Hersteller Chuwi geriet in den Fokus der Aufmerksamkeit, nachdem Hinweise auf die Verwendung eines falschen Prozessors in seinen Geräten aufkamen. Bereits im Sommer hatte das Fachmagazin Notebookcheck das CoreBook X von Chuwi getestet, ohne dabei jedoch auf die Ungereimtheiten aufmerksam geworden zu sein.
Das Problem: In der offiziellen Ausstattungsliste wird sowohl das CoreBook X als auch das CoreBook Plus mit dem Ryzen 5 7430U (Codename Barcelo-R) beworben. Dieser Prozessor sollte sechs Zen-3-Kerne mit einem Boost-Takt von bis zu 4,3 GHz und stolzen 16 MB L3-Cache bieten. Tatsächlich jedoch finden sich in den Geräten ein Ryzen 5 5500U (Codename Lucienne) mit lediglich sechs Zen-2-Kernen und nur 8 MB L3-Cache, wobei der Boost-Takt ebenfalls geringer ausfällt. Diese Abweichung ist nicht nur hinsichtlich der Performance relevant, sondern auch bezüglich der zugrunde liegenden Architektur und den damit verbundenen Möglichkeiten.
Die Täuschung ist schlüssig konzipiert: Standard-Prüftools wie CPU-Z zeigen dem Laien die Angaben des Herstellers, ohne Zweifel aufkommen zu lassen. Auch etablierte Hersteller stoßen in der Regel nicht auf solche Fälle. Eine Überprüfung anhand von Latenzen und Arbeitsspeicherzugriffen könnte Aufschluss über den verbauten Prozessor geben, da 8 MB Cache nach sich ziehen würden, dass Daten bereits in den Arbeitsspeicher ausgelagert werden müssen, was zu erhöhten Latenzen führt. Diese Tests gehören jedoch nicht zum Standard-Repertoire bei der Notebook-Evaluierung.
Chuwi reagierte auf die aufgedeckte Misere zwar, aber ohne einen expliziten Fehler einzugestehen. Stattdessen verweist man auf verschiedene Produktionschargen und Restbestände, auf die man keinen direkten Einfluss mehr habe. Gleichzeitig betont Chuwi die Ernsthaftigkeit des Themas und eine interne Untersuchung zur Ursachenfindung. Einen bewussten Vorsatz lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachweisen. Es bleibt die Möglichkeit, dass der Betrug in der Zulieferkette seinen Ursprung hat. Interessant ist jedoch, dass die Product ID Tray 100-000000375 den gezeigten Prozessor als Ryzen 5 5500U eindeutig identifiziert, was Chuwi eigentlich nicht entgangen sein dürfte.
Die Situation bleibt komplex und offen für Interpretationen, wobei die Frage nach der tatsächlichen Verantwortung und dem Umfang des Betrugs weiterhin ungeklärt ist.
Schlagwörter: Chuwi + CoreBook X + Notebookcheck
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