Die Gnome Foundation hat mit Gnome 46 eine bedeutende Veröffentlichung für dieses Jahr vorgenommen. Die neue Version wird nicht nur als Hauptoberfläche für die kommenden Fedora 40 und Ubuntu 24.04 dienen, sondern auch einen Vorgeschmack auf das bieten, was diese führenden Linux-Distributionen auf ihren Standard-Desktops bieten werden. Neben dieser wichtigen Rolle enthält Gnome 46 auch bemerkenswerte Verbesserungen.
Eine der auffälligsten Neuerungen ist die Unterstützung für variable Bildwiederholraten (VRR) unter X11/Wayland, womit Gnome nun mit KDE Plasma gleichzieht. Allerdings ist diese Funktion nur verfügbar, wenn eine AMD- oder Nvidia-Grafikkarte mit proprietären Treibern sowie ein VRR-fähiger Bildschirm vorhanden sind. Bei AMD wird dies als FreeSync bezeichnet, während Nvidia es als G-SYNC bezeichnet. Durch VRR wird sichergestellt, dass die Bildwiederholrate des Bildschirms und der Grafikkarte synchronisiert werden. Dadurch werden Ruckler vermieden, die beispielsweise bei der Wiedergabe von Videos auftreten können.
Um die Implementierung von VRR in Gnome 46 zu ermöglichen, erhielt die Gnome Foundation eine großzügige Spende in Höhe von einer Million Euro vom Souvereign Tech Fund, der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz unterstützt wird. Trotzdem wird die Variable Refresh Rate (VRR) noch als experimentell betrachtet, da die Wayland-Unterstützung noch nicht als ausgereift angesehen wird und der Mauszeiger bei bestimmten Bildwiederholraten springen kann.
Um VRR im Terminal zu aktivieren, muss der folgende Befehl ausgeführt werden: „gsettings set org.gnome.mutter experimental-features variable-refresh-rate“. Erst dann werden in den Gnome-Einstellungen unter „Bildschirme“ die Optionen „Variable Refresh Rate“ und „Preferred Refresh Rate“ angezeigt. Ab Gnome 47 wird VRR standardmäßig aktiviert sein.
Eine weitere Neuerung seit Version 42 ist die RDP-Schnittstelle von Gnome. Diese ermöglicht es nun, sich nicht nur an einem bereits laufenden Desktop, sondern auch am Log-in-Manager GDM anzumelden. Dadurch wird der Zugriff auf Gnome-Desktops, die im Netzwerk oder in einer Cloud-Instanz ohne angeschlossenen Bildschirm (headless) betrieben werden, per RDP erleichtert. Pipewire und der Systemd-Dienst gnome-remote-desktop übernehmen diese Funktion und zeigen die GDM-Anmeldung an, wenn der Benutzeraccount noch nicht angemeldet ist. Das verwendete RDP-Protokoll entspricht nun FreeRDP 3.1.
Auch der Dateimanager Nautilus, auch bekannt als Gnome-Files, hat mit Gnome 46 einige Aktualisierungen erhalten. Neu ist die Möglichkeit, Ordnern ein individuelles Symbol zuzuweisen. Zudem wurde eine Suchfunktion hinzugefügt, die sich oben links in der Seitenleiste befindet und den Dialog „Überall suchen“ im Hauptfenster öffnet.
Neben der Desktop-Umgebung bietet die Gnome Foundation auch das Betriebssystem Gnome OS an. Das Gnome OS ist als ISO-Datei verfügbar und wurde speziell für die Verwendung in virtuellen Maschinen oder zur Installation auf Testcomputern entwickelt. Wer das neue Gnome unverbindlich ausprobieren möchte, kann dies mit der Nightly-Beta-Version von Fedora Linux 40 Workstation tun. Allerdings hat Fedora die Remote-Desktop-Komponente bisher noch nicht auf die Version von Gnome 46 aktualisiert, weshalb derzeit keine RDP-Anmeldung am GDM funktioniert.
Schlagwörter: VRR + Gnome + AMD
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